Aus den Sammlungen: Das Verlagsgebäude der Christlichen Wissenschaft
Architektenentwurf der Verlagsgesellschaft der Christlichen Wissenschaft,
um 1931. 1980.06. Chester Lindsay Churchill.
Das Verlagsgebäude ist ein historisch bedeutsames Bauwerk. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass sich darin Abteilungen der Mutterkirche (der Ersten Kirche Christi, Wissenschaftler) befinden, die deren Mission erfüllen, sondern auch mit dem einzigartigen architektonischen Charakter des Gebäudes und der Bereicherung, die es für das umliegende Bostoner Umfeld darstellt. Dieser Artikel gibt einen Überblick über seine bemerkenswerte Geschichte.
Das ursprüngliche Verlagsgebäude wurde 1908 erbaut und befand sich in 107 Falmouth Street, gegenüber dem Erweiterungsbau der Mutterkirche, der erst zwei Jahre zuvor fertiggestellt worden war. Trotz der in den 1910er Jahren vorgenommenen Anbauten erwies sich das Gebäude im folgenden Jahrzehnt als immer unzureichender für die zunehmenden Aktivitäten der Verlagsgesellschaft. Tatsächlich hatte die Überbelegung einige Abteilungen dazu gezwungen, sich auf verschiedene nahegelegene Gebäude zu verteilen.
Daraufhin kam der Treuhänderrat der Verlagsgesellschaft zu dem Schluss, dass ein ganz neues und wesentlich größeres Verlagsgebäude benötigt wurde – eines, das nicht nur mehr Platz bieten sondern auch alle Abteilungen unter einem Dach vereinigen würde. Am 8. Januar 1930 ernannte der Vorstand der Christlichen Wissenschaft ein Baukomitee zur Beaufsichtigung der Planung und Ausführung eines neuen Gebäudes. Dazu gehörten unter anderem als Mitglieder des Treuhänderrats der Verlagsgesellschaft Fred Lamson, der zum Vorsitzenden ernannt worden war, William P. McKenzie, einer von Mary Baker Eddys Schülern und James E. Patton. Weitere Mitglieder des Baukomitees waren Roland Harrison, Manager der Verlagsgesellschaft, Herbert T. Stanger, Assistent des Managers der Verlagsgesellschaft, George Sleeper, Manager der Abteilung für die Instandhaltung der Mutterkirche, und Charles E. Lord, ein Treuhänder des Shawmut Realty Trusts, der zur Verwaltung der Immobilienvermögen der Mutterkirche gegründet worden war.
Das erste Treffen des Baukomitees fand am 20. Januar 1930 statt. Im Verlauf der nächsten Monate legten die Mitglieder fest, über welche Merkmale dieses neue Bauwerk verfügen sollte. So besuchte beispielsweise das Komiteemitglied Stanger verschiedene Zeitungsdruckereien, um sich ein Bild davon zu machen, welche Art von Einrichtung für die Druckvorgänge des Unternehmens erforderlich sein würde, insbesondere für die des Monitors.
Um den richtigen Architekten und Ingenieur für das Projekt auszuwählen, kam das Komitee überein, dass „Architekten und Ingenieure von höchstem Ansehen, denen das Feld [der Christlichen Wissenschaft] vertrauen würde, aufgefordert werden sollten, Angebote für den Neubau einzureichen …“.1 Als sie im Sommer 1930 mehrere Bostoner Architekten interviewten, stach einer besonders hervor: Chester Lindsay Churchill (1891–1958). Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich Wohngebäude entworfen und besaß keinerlei Erfahrung mit der Planung von Gewerbe- oder Industriebauten. Und dennoch spürten sie: „… dieser Mangel an Erfahrung … wird Herrn Churchill dazu anspornen, ein Verlagshaus für uns zu entwerfen, das seinen Ruf begründen wird“.2
Mit der in New York City ansässigen Firma Lockwood Greene entschied sich das Komitee für ein Ingenieurbüro mit Erfahrung auf dem Gebiet des Zeitungsdrucks. Die Firma hatte umfangreiche Erfahrungen bei der Planung und Konstruktion zahlreicher Druckereien gesammelt, unter anderem für die New York Daily News.
Churchill befürwortete eine mögliche Zusammenarbeit zwischen ihm und Lockwood Greene. „Wir vertrauen darauf, dass wir hinsichtlich der architektonischen und ingenieurtechnischen Leistungen in Bezug auf Ihr neues Gebäude wohlwollend in Betracht gezogen werden“, erklärte er dem Komitee, „… und dass die Geschäftsbeziehungen während des gesamten Projekts angenehm und harmonisch sein werden“. 3 Am 1. August 1930 erteilten der Vorstand dem Komitee die Zustimmung zu dem Projekt.
Anfang 1931 hatten Churchill und Lockwood Greene ein 7500 m² großes Gebäude entworfen, das aus zwei Teilen bestand. Gebäude „A“ würde neun Stockwerke hoch sein und Büros der allgemeinen Abteilungen sowie eine zweistöckige Lobby beherbergen. Gebäude „B“ würde vier Stockwerke hoch sein und Platz für die Druckerpressen des Monitors und der Zeitschriften bieten sowie weitere, mit dem mechanischen Druckvorgang zusammenhängende Bereiche umfassen. Bei der architektonischen Gestaltung der Fassade ließ sich Churchill vor allem von der italienischen Renaissance inspirieren. Auch sollte das bereits existierende Verlagsgebäude in der Falmouth Street renoviert und zum neuen Verwaltungsgebäude der Kirche werden.

Schnittzeichnung des Verlagsgebäudes der Christlichen Wissenschaft aus der Broschüre „The Visitor Sees the Building“ [Besuchende sehen das Gebäude], ohne Datum. © Die Verlagsgesellschaft der Christlichen Wissenschaft.
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Das neue Verlagsgebäude wurde am 17. April 1931 zum ersten Mal im Monitor und am 16. Mai 1931 im Sentinel vorgestellt. Auch kündigten der Vorstand im Sentinel einen speziellen Fonds für das neue Verlagsgebäude an, der sowohl für Spenden von einzelnen Christlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als auch von Zweigkirchen und Vereinigungen auf der ganzen Welt offenstand. In den folgenden zwei Jahre gingen viele Spenden ein.
Bei der Jahresversammlung der Mutterkirche im Jahr 1931 sagte der Vorstand den Teilnehmenden: „Wir danken dem Feld [der Christlichen Wissenschaft] für seine Loyalität gegenüber den Lehren unserer geliebten Führerin, die sich in dem Bedarf nach größeren Räumlichkeiten zeigt, in denen die Literatur der Christlichen Wissenschaft veröffentlicht werden kann.“4
Ein Aspekt des neuen Gebäudes würde revolutionär sein – etwas, das bisher noch nirgendwo anders versucht worden war. Churchill entwarf das Konzept eines Raumes hinter der Lobby, der eine von innen zu betrachtende Weltkugel darstellen sollte. Er nannte ihn den „Globus-Raum“ und erläuterte dem Baukomitee das Konzept folgendermaßen:
Da Sie eine internationale Organisation mit vielen Tätigkeitsbereichen sind, … kam mir der Gedanke, eine Art Kartenraum wäre ein sehr hilfreicher Aspekt des neuen Gebäudes. … Er wird die Gelegenheit bieten, die vielen Aktivitäten Ihrer Organisation effektiv und auf informative Art der Öffentlichkeit besser zu präsentieren, als das auf andere Weise möglich wäre.5
Churchills Globus sollte aus importierten Glasplatten aus England bestehen, wobei die Rand McNally Company detaillierte Weltkarten dafür anfertigen würde. Darstellungen der Karten auf sogenannten „Kartons“ würden dann auf jede Glasscheibe übertragen und mit Farben versehen werden. Außerdem würde es eine gläserne Brücke geben, um beide Seiten zu verbinden, sodass Besucherinnen und Besucher durch die neun Meter hohe Kugel gehen und jeden Punkt auf dem Globus aus viereinhalb Metern Entfernung betrachten könnten.
Am 28. Juli 1931 wurde die in Boston ansässige Aberthaw Company als Generalunternehmer für das Verlagsgebäude-Projekt ausgewählt. Zwischen November 1931 und Januar 1932 wurden alle Gebäude auf dem Gelände zwischen der Norway Street und der Clearway Street abgerissen. Danach begann man sofort mit dem Bau des neuen Gebäudes.

Mapparium, c. 1950. P04876. Anonyme Fotografie.
Die Grundsteinlegung des neuen Verlagsgebäudes fand am 17. Oktober 1932 statt und wurde mit einer kleinen Zeremonie begangen. Ein versiegelter Kupferkasten, der Veröffentlichungen der Verlagsgesellschaft sowie die veröffentlichten Werke von Mary Baker Eddy enthält, wurde im Inneren platziert.6
Viele Materialien für die Innenausstattung des Gebäudes beschaffte Churchill aus Übersee und reiste dafür oft selbst in die jeweiligen Ursprungsländer. Dabei handelte es sich zum Beispiel um Marmor und Travertin aus Italien, Glas und Mosaike aus Deutschland, Fliesen aus der Tschechoslowakei sowie Holz aus England und Australien. Über die Verwendung dieser ausländischen Materialien sagte er: „So wie man die Welt im Sinn haben muss, wenn man die Bewegung der Christlichen Wissenschaft zum Ausdruck bringt, so wird auch das neue Verlagsgebäude dieses Denken widerspiegeln, indem es einen wahrhaft internationalen Charakter aufweist.“7
Die Baumaßnahmen wurden fortgesetzt. Das Projekt des neuen Verlagsgebäudes trug dazu bei, eine große Anzahl von Arbeitskräften zu beschäftigen – insgesamt 1.250 von Anfang bis Ende. Dies war besonders bedeutsam, da die Arbeiten auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise stattfanden, als die Arbeitslosenquoten ernüchternd hoch waren.8 Im Mai 1933 waren die Druckerpressen des Monitors vom alten Verlagsgebäude in das Gebäude „B“ umgezogen. Die erste, in der neuen Druckerei gedruckte Ausgabe der Zeitung lief am 26. Mai vom Band. Im weiteren Verlauf des Jahres 1933 zogen nach und nach auch andere Abteilungen in ihre neuen Büros um, und im April 1934 war das neue Gebäude vollständig belegt. Die Bauarbeiten am Globus-Raum begannen zwar Anfang 1934, wurden aber erst 1935 abgeschlossen.
Als die Arbeiten am neuen Verlagsgebäude kurz vor der Vollendung standen, äußerte sich der Architekturkritiker Kenneth Kingsley Stowell im Monitor vom 25. November 1933 folgendermaßen:
Das neue Verlagsgebäude ist eine architektonische Meisterleistung. … Vom ersten Eindruck, den man aus der Ferne nur flüchtig wahrnimmt, bis hin zur akribischen Besichtigungstour vermittelt einem die neue Heimat der Verlagsgesellschaft stets dasselbe Gefühl: Hier handelt es sich um Architektur von monumentaler Ausstrahlung und rhythmischer Komposition. …9
Churchills „Globus-Raum“ wurde schließlich im Juni 1935 vollendet. Er hatte ihn inzwischen in „Mapparium“ umbenannt und auf diese Weise ein neues Wort geprägt, das so viel bedeutet wie „ein Ort für die Weltkarte“. Seine Darstellung der Länder der Welt, wie sie im Jahr 1935 existierten, ist seitdem unverändert geblieben, und das Mapparium® ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt Boston.
Bei der Jahresversammlung 1935 würdigte A. Barry Bacon, der Präsident der Kirche, die Spenden, die Christliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler während der schlimmsten Jahre der Weltwirtschaftskrise für dieses Projekt geleistet hatten:
Inmitten dieser Zeit wurde der Bau unseres neuen Verlagsgebäudes mit Bedacht in Angriff genommen. … [Die Mittel wurden bereitgestellt] mithilfe der liebevollen und großzügigen Spenden einzelner Christlicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt. … Die Vollendung dieses Gebäudes … war eine der herausragenden Leistungen unserer Bewegung …10
Das abschließende Treffen des Baukomitees fand am 11. Juni 1936 statt. In dessen Verlauf entwarfen die Mitglieder einen Brief an Churchill, um ihrer Wertschätzung für seine Arbeit Ausdruck zu verleihen. Er enthielt diese Worte des Dankes:
Das entstandene Bauwerk ist sowohl schön als auch zweckmäßig und stellt ein würdiges Denkmal für die große Gründerin und Führerin der Bewegung der Christlichen Wissenschaft, Mary Baker Eddy, dar. Wir können Ihnen für Ihre Arbeit und deren herausragende Ergebnisse nur unsere tiefste Anerkennung und unser höchstes Lob aussprechen.11
Seit der Fertigstellung des Verlagsgebäudes sind in und um das Gebäude herum viele Veränderungen vorgenommen worden – insbesondere der Bau der Christian Science Plaza in den 1970er Jahren, die Gründung der Mary Baker Eddy Bibliothek im Jahr 2002 und die Einrichtung der Ausstellung „Wie siehst du die Welt?“ im Jahr 2021. Trotz all der Veränderungen hat das Gebäude seinen einzigartigen Charakter und seine Schönheit bewahrt und bietet der Mutterkirche einen Raum, der für das Erfüllen ihrer Mission äußerst wertvoll ist.
Für weitere Informationen (in englischer Sprache) zu diesem Thema können Sie sich unsere Seekers and Scholars Podcast-Episode „The Christian Science Publishing House – a building for the world“ [Das Verlagsgebäude der Christlichen Wissenschaft – ein Bauwerk für die Welt] anhören.
Dieser Artikel steht auch auf unseren englischen, französischen, portugiesischen und spanischen Webseiten zur Verfügung.
- „Minutes of the New Building Committee, Thursday, February 6, 1930“ [Protokoll des Komitees für das neue Gebäude, Donnerstag, 6. Februar 1930], Kirchenarchiv.
- „Minutes, New Building Committee, Tuesday, June 24, 1930“ [Protokoll, Komitee für das neue Gebäude, Dienstag, 24. Juni 1930], Kirchenarchiv.
- „Minutes, New Building Committee, June 24, 1930,” Kirchenarchiv.
- „Annual Meeting of The Mother Church“ [Jahresversammlung der Mutterkirche], The Christian Science Journal, Juli 1931, 207.
- „Minutes, New Building Committee, Thursday, July 6, 1933“ [Protokoll, Komitee für das neue Gebäude, Donnerstag, 6. Juli 1933], Kirchenarchiv.
- „Corner Stone of Publishing House is Laid“ [Grundstein für das Verlagsgebäude gelegt], The Christian Science Monitor, 17. Oktober 1932, 1.
- Chester Lindsay Churchill, „Publishing House Interiors“ [Innenausstattung des Verlagsgebäudes], Monitor, 24. November 1933, 32.
- Edward J. Preston, „Report on the Erection of the New Building for the Christian Science Publishing Society“ [Bericht über die Errichtung des neuen Gebäudes für die Verlagsgesellschaft der Christlichen Wissenschaft], Ergänzung zum Bericht, 6, o. D., Kirchenarchiv.
- Kenneth Kingsley Stowell, „An Architectural Critic Views the New Publishing House“ [Ein Architekturkritiker betrachtet das neue Verlagsgebäude], Monitor, 25. November 1933.
- „Annual Meeting of The Mother Church“ [Jahresversammlung der Mutterkirche], Journal, Juli 1935, 189.
- „Building Committee Minutes. June 11, 1936“ [Baukomitee Protokoll. 11. Juni 1936], Kirchenarchiv.