Mary Baker Eddys Umgang mit Wetter und Klima
Winterfoto, aufgenommen von Mary Baker Eddys Haus in Concord, New Hampshire, o. D. P06550.
Dieser Vortrag wurde am 20. August 2024 anlässlich der einundzwanzigsten Jahreskonferenz der European Association for the Study of Religions (EASR) [Europäische Vereinigung für Religionswissenschaft] in Göteborg, Schweden, gehalten. Das Thema der Konferenz lautete „Nature, Ecology, and Religious Responses to Climate Change“ [Natur, Ökologie und religiöse Antworten auf den Klimawandel].
Ich freue mich sehr, heute hier sein zu können! Dieser Vortrag trägt den Titel „Mary Baker Eddys Umgang mit Wetter und Klima“.
Für diejenigen unter Ihnen, die es vielleicht noch nicht wissen: Mary Baker Eddy gründete die Kirche Christi, Wissenschaftler, Ende des neunzehnten Jahrhunderts (die, ganz nebenbei gesagt, nichts mit der Scientology-Kirche zu tun hat). Ich werde gleich etwas ausführlicher über ihre Biografie sprechen.
Es gibt drei wesentliche Punkte, die ich Ihnen heute gerne vermitteln möchte:
1. Mary Baker Eddy glaubte, dass ein Zusammenhang zwischen metaphysischem Folgern und dem Verbessern der physischen Welt besteht.
2. Sie war der Ansicht, dass Gebet mit wissenschaftlichen Ergebnissen angewandt werden konnte.
3. Sie sah die Möglichkeit, Umweltbedrohungen sowohl durch individuelles als auch kollektives Handeln von einer geistigen Perspektive aus entgegenzutreten.
Zum Einstieg: Eine Fallstudie
An einem frostigen Januartag in den späten 1890ern befand sich ein Farmer im US-Bundesstaat New Hampshire in einer verzweifelten Situation. Inmitten der bitteren Kälte war sein Brunnen versiegt. Seine Kühe gaben keine Milch mehr, und er mühte sich damit ab, genug Eis und Schnee zu schmelzen, um sie mit Wasser versorgen und am Leben erhalten zu können.
Das kam Mary Baker Eddy, der Gründerin der Christlichen Wissenschaft, zu Ohren. Dieser Mann war einer ihrer Nachbarn. Er verkaufte Eddy Milch, und zweifellos wollte sie ihm helfen. Aber ihre Lösung hatte nichts mit einem Wetterumschwung oder dem Schmelzen von Eis zu tun. Angesichts der verzweifelten Lage dieses Farmers bemerkte sie einfach mit einem Lächeln: „Oh! Wenn er nur wüsste … Liebe füllt diesen Brunnen.“1
Mit Liebe bezog sich Eddy – die inzwischen als religiöse Führerin landesweit großen Bekanntheitsgrad genoss – nicht auf ein bloßes Gefühl. Es war auch nicht ihre Absicht, eine gefährliche Situation zu verharmlosen. Vielmehr lag ihrem Konzept des Begriffs Liebe ein ganzes Leben zugrunde, dass dem Gebet und dem Bibelstudium gewidmet war. Ihrer Einschätzung nach war Liebe ein Synonym für Gott.2
Clara Shannon, die Frau, die Eddy auf die Situation dieses Farmers aufmerksam gemacht hatte, erwähnte eine Reihe von Begebenheiten, bei denen sie erlebt hatte, dass Eddy in Bezug auf die Umwelt mit spürbar positiven Ergebnissen gebetet hatte. In einer 1927 veröffentlichten Erinnerung beschrieb sie, wie es für diesen Farmer weiterging:
Als der Farmer am nächsten Morgen die Milch brachte, war er überglücklich. … An jenem Morgen, als er hinausgegangen war, um das Vieh zu versorgen, fand er den Brunnen mit Wasser gefüllt vor. Trotz des bitterkalten Tages mit all dem Eis und Schnee ringsum war der Brunnen voller Wasser. Er sagte, es mussten wohl Mrs. Eddys Gebete gewesen sein, die all das bewirkt hatten. Sie musste etwas damit zu tun gehabt haben, weil es ein Wunder war. Er hatte große Hochachtung vor Mrs. Eddy, obwohl er kein [Christlicher] Wissenschaftler war.3
Eddy war davon überzeugt, dass es keinen nachteiligen physischen Umstand jenseits einer metaphysischen Lösung geben konnte. Während die Christliche Wissenschaft vor allem für ihren Anspruch bekannt ist, Menschen von Krankheiten zu heilen, verstand sie deren Praxis als eine Möglichkeit, auf das gesamte Spektrum menschlicher Bedürfnisse einzugehen – sowohl akute als auch chronische. Letztendlich, so glaubte sie, seien zuverlässige Lösungen für die Probleme der Welt im metaphysischen Bereich zu finden. Mit anderen Worten: Sie war der Auffassung, dass die Wahrnehmung der geistigen Wahrheit – um es mit ihren eigenen Worten zu sagen – „das Äußere und Tatsächliche bestimmt“.4
Anders ausgedrückt, an diesem Tag in New Hampshire glaubten der Farmer und Eddys Hilfskraft Clara Shannon, dass Eddys Anerkennen Gottes als allgegenwärtige Liebe eine Art des Gebets war, von dem Eddy inzwischen gewohnt war, dass es zuverlässig eine harmonisierende Wirkung hervorbringen würde, die dem jeweiligen unmittelbaren Bedürfnis entsprach.
Biografie und Hintergrund
Eddy wurde 1821 in Neuengland geboren und wuchs in einer frommen christlichen Familie auf, die der Kongregationalistenkirche angehörte, in deren Mittelpunkt die Bibel als Grundlage des täglichen Lebens stand. Chronische Krankheit, Witwenschaft und Armut führten schließlich dazu, dass sie selbst in eine verzweifelte Lage geriet. Am 1. Februar 1866 erlitt sie im Alter von 44 Jahren bei einem Sturz auf dem Eis schwere Verletzungen, und man glaubte, dass sie im Sterben lag. Das war der Moment, in dem die vorangegangenen Jahrzehnte des Suchens sowohl nach medizinischen als auch geistigen Lösungen in einer plötzlichen Genesung von diesen Verletzungen gipfelten, die den Menschen in ihrem Umfeld wie ein Wunder erschien. Dies geschah, als sie sich an die Bibel wandte und den Bericht einer durch Jesus bewirkten Heilung las.5
Es folgten drei Jahre, in denen sie die Heilige Schrift studierte und sich darum bemühte, besser zu verstehen und in Worte zu fassen, was sie geheilt hatte. Sie gelangte zu der Erkenntnis, dass den Heilungen Jesu und seiner Jünger göttliche Gesetzmäßigkeiten zugrunde lagen, und bezeichnete diese bisweilen als „wissenschaftlich“, da die Ergebnisse vorhersehbar waren, wenn sie diese konsequent anwendete. Auch war sie zuversichtlich, dass sie ihre Methode anderen beibringen konnte und dass diese auf dieselbe Weise heilen konnten.6
1875 veröffentlichte sie ein Lehrbuch, um die Christliche Wissenschaft zu erklären – Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift – und widmete die folgenden drei Jahrzehnte der Gründung einer Kirche, die sich langsam über die ganze Welt ausbreitete. Zum Zeitpunkt ihres Todes im Jahre 1910 war sie eine der bekanntesten Frauen Amerikas.
Ein Maßstab
Vor allem erwartete Eddy von denjenigen, die die Christliche Wissenschaft studierten, dass sie lebhafte und tätige Heilerinnen und Heiler im weitesten Sinne des Wortes sein würden. Für sie bedeutete dies, sich um den gesamten Planeten zu kümmern und ihm Nutzen zu bringen.7 Laut Stephen Gottschalk, einem Historiker der amerikanischen Religionsgeschichte, „lag der Zweck der Kirche, die Eddy und ihre Schülerinnen und Schüler 1879 gründeten, darin, ,die wunderbare Heilkraft des Guten‘ im heutigen Christentum wiederherzustellen“. Er fuhr fort und erläuterte den Zusammenhang wie folgt:
Die Wärme und Kraft des frühen Christentums wiederzubeleben, war auch das Anliegen anderer amerikanischer Religionsgemeinschaften – viele protestantische Gruppierungen verstanden darin den Sinn und Zweck ihres Wirkens. Für die Gründer der Kirche „Disciples of Christ“ bedeutete dies, die Gottesdienstformen der frühen Kirche wiederherzustellen. Für die Baptisten war damit die Rückbesinnung auf die unangefochtene Autorität der Bibel und die Taufe der Gläubigen gemeint. Für die Methodisten bedeutete dies, die Bedeutung der Liebe im christlichen Leben wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken und die „lebendigen Kräfte der Erneuerung“ des apostolischen Christentums wiederzuentdecken. Für die Pfingstbewegung zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bedeutete dies das neuerliche Ausgießen des Heiligen Geistes, einschließlich des Redens in Zungen, das den Pfingsttag prägte, sowie das Wiederbeleben der apostolischen Heilungen.
„Allerdings“, schloss Gottschalk, „war für keine dieser Glaubensgemeinschaften die heilende Arbeit der frühen Kirche das maßgebliche Kennzeichen des ursprünglichen Christentums, das es wiederherzustellen galt.“8
Aktuelle Relevanz
Was also hätte Eddy in Bezug auf Heilung möglicherweise über die gegenwärtig herrschende Furcht vor einer Klimakrise gesagt? Wie konnten ihre Lehren auf praktische Weise die bedrohlichen Auswirkungen steigender Meerestemperaturen und Meeresspiegel angehen? Das Abschmelzen der Polkappen? Eine Zunahme von Hitzewellen, Überschwemmungen und Wirbelstürmen? Was hat nach Ansicht der Christlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Religion zu bieten, wenn es um eine stichhaltige Antwort auf die komplexen atmosphärischen und geopolitischen Fragen unserer Zeit geht?
Eddys Überzeugungen in Bezug auf Gott, Gebet, Wetter und Klima erwuchsen aus ihrem christlichen Glauben. Als Bibelleserin hatte sie in den hebräischen Schriften die Berichte gelesen, in denen Propheten Gott in Zeiten der Hungersnot angerufen hatten. Sie war gut mit den alttestamentarischen Geschichten vertraut, in denen Mose in der Wüste lebenspendendes Wasser fand und Elia in Zeiten der Dürre erfolgreich um Regen betete.9 Und sie verwies wiederholt auf Christus, der den Sturm auf dem See Genezareth stillte.10 Im Gegensatz zu einigen anderen gelangte Eddy jedoch zu der Überzeugung, dass diese Begebenheiten weder übernatürlich noch auf die Vergangenheit beschränkt waren. Vielmehr klassifizierte sie diese als Beispiele für ein auf der Erde wirkendes göttliches Gesetz, das die Naturgesetze und die Gesetze der Physik außer Kraft setzt.
Sie wurde einmal mit folgenden Worten zitiert: „Das Wetter bringt die Vorstellung zum Ausdruck, die wir davon haben, und kann wie jeder andere Anspruch behandelt werden, wenn wir es nicht als etwas betrachten, das von uns selbst getrennt ist und von einer anderen Macht oder einem Kalender regiert wird. Gott regiert alles. Auf diese Weise stillte Jesus den Sturm.“11 Für Eddy musste jede zuverlässige Verbesserung der menschlichen Lebensumstände, ganz gleich, wie groß oder klein sie auch sein mochte, mit einer Umwandlung des Denkens, der Sichtweise und der Perspektive beginnen und von einer Kraft vorangetrieben werden, die über die rein menschliche Intelligenz hinausgeht. Sie hatte Hochachtung vor guter Bildung und legte großen Wert auf folgerichtiges Denken; einmal bezeichnete sie die Vernunft als „die aktivste menschliche Fähigkeit“.12 Doch sie ordnete die menschliche Intelligenz einer vom Gehirn unabhängigen Erkenntnis unter – dem unmittelbaren geistigen Ausdruck jedes Individuums von dem, was sie „das göttliche Gemüt“ nannte, ein weiterer Name, den sie für Gott verwendete.13 Dies basiert auf ihrem Verständnis von uns als Kindern Gottes, die nach Gottes Bild gemacht sind, wie es im 1. Kapitel des 1. Buchs Mose steht.14
Viele Menschen und Religionen würden bestätigen, dass Inspiration eine hilfreiche Rolle dabei spielen kann, Widrigkeiten zu überwinden und sogar Dinge zum Besseren zu verändern. Eddy ging jedoch noch einen Schritt weiter. Sie sah einen direkten Zusammenhang zwischen Denken und Erleben, der sich letztendlich, Schritt für Schritt, als von bedrohlichen physischen Kräften unbeschränkt erweisen würde. Und basierend auf der biblischen Aussage, dass „bei Gott […] alle Dinge möglich [sind],15, war sie davon überzeugt, dass dies beweisbar war.
Irving C. Tomlinson war ehemals ein universalistischer Geistlicher. Er erhielt von Eddy Unterricht in der Christlichen Wissenschaft und war einige Jahre lang bei ihr angestellt. Ihre Herangehensweise an das Wetter beschreibt er wie folgt:
Mrs. Eddy brachte uns bei, dass Wetterverhältnisse nicht jenseits von Gottes Kontrolle liegen und dass sie durch richtiges Gebet korrigiert werden können. Sie stellte klar, dass Christliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht versuchen sollen, das Wetter zu kontrollieren oder zu beherrschen. Wir sollten wissen, dass Gott das Wetter beherrscht und dass kein anderer Einfluss darauf ausgeübt werden kann. Sie sagte, wir müssen besonders wachsam sein, um uns vor allen verheerenden Auswirkungen von Stürmen zu schützen.16
Obwohl Eddy glaubte, dass Gott das Wetter regiert, behauptete sie niemals, dass Gott Böses oder Zerstörung sendet. Aber hätte sie wohl erwartet, dass Menschen dazu beitragen konnten, die Auswirkungen von etwas so Gewaltigem wie den heutigen Klimaängsten abzumildern, indem sie ihre Gedanken auf Gott ausrichteten? Einfach gesagt, ja, und diese innere Neuausrichtung war dazu gedacht, äußere Veränderungen herbeizuführen. Sie präsentierte die Christliche Wissenschaft nicht als etwas, das für mehr persönliches Wohlbefinden sorgen oder aus eigennützigen oder ausbeuterischen Motiven ausgeübt werden soll. Im Hinblick auf die Debatte über humanistische und posthumanistische Beweggründe für ein Eingreifen in den Klimawandel,17 meine ich, Eddy hätte einem aufrichtigen Interesse am Gemeinwohl, geprägt von ehrlicher Nächstenliebe und tiefem Respekt für das Wohlergehen der Flora und Fauna dieser Welt und darüber hinaus, tiefe Bedeutung beigemessen. Sie dachte in großem Umfang über den Planeten nach und war davon überzeugt, dass er wichtige Lektionen bereithielt.
„Die Natur verkündet das natürliche, geistige Gesetz und die göttliche Liebe, aber die menschliche Auffassung missdeutet die Natur“, schrieb sie. „Die arktischen Regionen, die sonnigen Tropen, die gewaltigen Berge, die beschwingten Winde, die mächtigen Wellen, die grünenden Täler, die festlichen Blumen und die herrlichen Himmel – sie alle weisen auf Gemüt [einen anderen Begriff für Gott] hin, auf die geistige Intelligenz, die sie widerspiegeln. Die Blumenapostel sind Hieroglyphen der Gottheit. Sonnen und Planeten lehren erhabene Lektionen. Die Sterne verschönern die Nacht, und das Blättchen wendet sich ganz natürlich zum Licht.“18
Das Wesen der Schöpfung
Dieser Aufruf, die Erde auf metaphysische Weise zu betrachten, trägt dem Wesen von Gottes Schöpfung Rechnung, wie die Bibel es ihrem Verständnis nach zeigt – eine Suche nach Belegen dafür, dass Gott, wie es im 1. Buch Mose heißt, alles ansah, „was er gemacht hatte, und sieh, es war sehr gut“.19
Eddy hätte eine Klimakrise nicht als Strafe Gottes für die Ausbeutung der Erde durch die Menschheit gesehen. Die Christliche Wissenschaft umfasst nicht das Konzept einer verheerenden Vernichtung der Welt oder eines Armageddon. Möglicherweise finden sich bei ihr einige Berührungspunkte mit Ansichten konstruktiver Theologinnen und Theologen wie Catherine Keller bei Aussagen wie dieser, die Eddy in Wissenschaft und Gesundheit getätigt hat: „Kein jüngstes Gericht erwartet die Sterblichen, denn der Tag des Gerichts der Weisheit kommt stündlich und ständig, jenes Gericht, durch das der sterbliche Mensch allen materiellen Irrtums entkleidet wird. Geistigen Irrtum gibt es nicht.“20 Sie war fest davon überzeugt, dass sündiges oder falsches Verhalten aufgedeckt, gesühnt und wiedergutgemacht werden müsse. Was jedoch die Eschatologie betrifft, so ist ihre Theologie frei von einer zornigen Gottheit, die Menschen für zerstörerisches oder sündhaftes Verhalten bestraft.
Die Atmosphäre des Denkens
Eddy verstand, dass jede Person – nicht nur Christliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – ihre mentale Umwelt kontinuierlich verbessern kann und muss, und dass dies wiederum zu einer Verbesserung der physischen Umwelt führen würde. Sie legte großen Wert darauf, den Zustand und die Qualität von Gedanken und Handlungen zu beobachten. Schädliche, destruktive oder destabilisierende Beweggründe, so betonte sie, müssen durch ein klareres Verständnis der göttlichen Wahrheit überwunden werden. Auf diese Weise billigte sie jedem Individuum das Privileg zu, einen bedeutsamen Beitrag zur Lösung weltweiter Probleme leisten zu können, anstatt sich von deren Unermesslichkeit überwältigen zu lassen.
Christliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich bisweilen in naturwissenschaftlichen Berufen hervorgetan, und Eddy hätte die besten Beweggründe jeder in der Wissenschaft und Theologie tätigen Person – einschließlich der Teilnehmenden dieser Konferenz – als mit ihrem humanitären Ansatz vereinbar respektiert und geschätzt.
Eddys Korrespondenz wird in den Sammlungen der Mary Baker Eddy Bibliothek in Boston, Massachusetts, aufbewahrt. Diese Unterlagen sowie ihre weiteren Schriften lassen erkennen, dass sie der Auffassung war, zerstörerische klimatische Kräfte könnten durch Gebet zum Besseren gewendet werden. Im November 1900 erschien eine von ihr verfasste Stellungnahme in der Zeitung The Boston Globe. Sie endete mit den Worten: „… dass die Atmosphäre des menschlichen Gemüts, wenn es vom Selbst befreit und von göttlicher Liebe durchdrungen ist, diesen geläuterten, subjektiven Zustand in einem klareren Himmel, in weniger Gewittern, Wirbelstürmen und extremen Fällen von Hitze und Kälte widerspiegeln wird; …“.21
Ein werteorientierter Lösungsansatz
Eine der letzten großen Initiativen Eddys war die Gründung einer internationalen Zeitung – des Christian Science Monitors – im Jahr 1908. Sie gab ihm die Mission, „keinem Menschen zu schaden, sondern die ganze Menschheit zu segnen“ und „die unerschöpflich wirkende Wissenschaft ungeteilt [zu] verbreiten“.22 Sie wollte, dass der Monitor eine echte, der Öffentlichkeit zugewandte Zeitung wird, die durch sachliche Berichterstattung und unvoreingenommene Analysen ein klares, von Gebet getragenes und lösungsorientiertes Denken fördert. Als der Monitor 1908 erstmals erschien, bezeichnete sein erster Chefredakteur den journalistischen Ansatz der Zeitung als „Appell an alle guten Männer und Frauen überall auf der Welt, die an der Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen sowie am moralischen und geistigen Fortschritt der Menschheit interessiert sind“.23 Eddy betrachtete den Monitor als eine der größten Gaben ihrer Kirche, um Probleme auf globaler Ebene zu lösen. In den Worten des Biografen Robert Peel: „Im Idealfall lag kein Aspekt des menschlichen Daseins außerhalb seiner heilenden Reichweite.“24 Bis heute hat der Monitor mehrere Pulitzer Preise gewonnen. Die Debatte bezüglich des Klimawandels wird kontinuierlich in der Berichterstattung aufgegriffen. Neben dem politischen Engagement hebt der Monitor auch hervor, wie sich bei jungen Menschen weltweit eine neue Denkweise herausgebildet hat, um Lösungen für das zu finden, was sie als Klimakrise betrachten.25
Chefredakteur Mark Sappenfield26 erzählte mir in einem Zoom-Interview, man spüre beim Monitor, dass die meisten Berichte zum Thema Klima entweder alarmistisch oder verschwörungstheoretisch geprägt seien, und dass man daher beim Monitor versuche, alle Seiten in einen Dialog einzubeziehen, indem man gemeinsame Werte und gegenseitiges Verständnis als den besten Weg für den Wandel hervorhebe. Anstatt angstbasierte Beweggründe zu schüren, versucht man, eine kritische Masse an Leserinnen und Lesern anzusprechen, um neue Denkansätze und Innovationen zu erkennen, aus denen sich Antworten ergeben.
„Wenn Gott uns mit Intelligenz ausgestattet hat“, sagte mir Sappenfield, „dann sollte kein Problem größer sein als Gottes Fähigkeit, es zu beheben und unsere Fähigkeit, Gottes Intelligenz widerzuspiegeln. Wir haben uns umgesehen, wo auf der ganzen Welt diese Qualitäten ausgedrückt werden. Es gibt keinen Ort, wo sie nicht ausgedrückt werden, und das ist es, wo die Antwort herkommen wird.“ Er sieht Fortschritt nicht in erster Linie als eine Frage der Technologie, sondern vielmehr darin, die Werte in den Mittelpunkt zu stellen und hervorzuheben, die Menschen und Nationen voranbringen, darunter Mitgefühl, Zusammenarbeit, Gleichheit, Hoffnung, Widerstandsfähigkeit, Respekt, Verantwortung, Sicherheit, Wandel und Vertrauen.
Schlussbemerkungen
Mary Baker Eddy lebte zu einer Zeit, in der wissenschaftliche Entdeckungen und die Industrialisierung weltweit gewaltige Veränderungen bewirkten und die Grenzen von Zeit und Raum immer weiter verschoben wurden. Manchmal sah sie dies als Fortschritt an, als Beweis dafür, dass sich die Menschheit vom Materiellen zum Geistigen weiterentwickelte. In anderen Fällen warnte sie vor dem aufkommenden Materialismus. Sie war der Ansicht, dass die Lösungen für die Probleme der Menschheit mit all den komplexen weltweiten Krisen aus einem klareren Verständnis eines guten und allmächtigen Schöpfers hervorgehen würden. Vor dem Hintergrund dieser Aussage glaube ich nicht, dass sie gezögert hätte, die Menschen zum Beten zu ermutigen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um auf die Ängste vor dem Klimawandel zu reagieren – mit der Erwartung, dass dies unmittelbare und langfristige positive Auswirkungen haben würde.
Stephen Graham ist Leiter der Abteilung für Programme und Kommunikation der Mary Baker Eddy Bibliothek.
Dieser Artikel steht auch auf unseren englischen, französischen, portugiesischen und spanischen Webseiten zur Verfügung.
- Clara Shannon, „Golden Memories“ [Goldene Erinnerungen], 1927, Erinnerung, 32–33.
- Siehe beispielsweise Mary Baker Eddy, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (Boston: Der Vorstand der Christlichen Wissenschaft), 2.
- Shannon, „Golden Memories“, 33.
- Eddy, Wissenschaft und Gesundheit, 254.
- Siehe Eddy, Rückblick und Einblick (Boston: The Christian Science Board of Directors, 24–25.
- Siehe Eddy, Wissenschaft und Gesundheit, 109.
- Siehe Markus 16:15; Eddy, Wissenschaft und Gesundheit, 37, 138, 342.
- Stephen Gottschalk, Rolling Away the Stone: Mary Baker Eddy’s Challenge to Materialism [Den Stein wegrollen: Mary Baker Eddys Herausforderung des Materialismus](Bloomington, IN: Indiana University Press, 2006), 321–322.
- Siehe 4. Mose 20:10-11; 1. Könige 17.
- Siehe Markus 4:35-41.
- We Knew Mary Baker Eddy, Expanded Edition, Volume II [Wir kannten Mary Baker Eddy, Erweiterte Ausgabe, Band II] (Boston: The Christian Science Publishing Society, 2011), 327.
- Eddy, Wissenschaft und Gesundheit, 327.
- Eddy, Wissenschaft und Gesundheit, 469-471.
- Siehe 1. Mose 1:26.
- Matthäus 19:26
- Irving C. Tomlinson, Twelve Years with Mary Baker Eddy, Amplified Edition [Zwölf Jahre mit Mary Baker Eddy, Erweiterte Ausgabe] (Boston: The Christian Science Publishing Society, 1996), 269.
- Humanistische Ansätze beim Klimawandel betonen die Verantwortung des Menschen, die Vernunft und das Handeln zur Bewältigung von Umweltkrisen, wobei oft das Wohlergehen und der Wohlstand der Menschen im Mittelpunkt stehen. Umgekehrt stellen posthumanistische Betrachtungsweisen dies in Frage und argumentieren, dass der Anthropozentrismus das Anthropozän verursacht habe und plädieren stattdessen für eine relationale, ökologische und nicht-hierarchische Sichtweise, in der der Mensch Teil eines umfassenderen, miteinander verbundenen Geflechts des Lebens ist.
- Eddy, Wissenschaft und Gesundheit, 240.
- 1. Mose 1:31.
- Eddy, Wissenschaft und Gesundheit, 291.
- Eddy, November 1900, A10137. Eine leicht bearbeitete Version dieses Textes finden Sie in Eddy, Die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, und Verschiedenes (Boston: The Christian Science Board of Directors), 264-265.
- Eddy, Verschiedenes, 353.
- Erwin D. Canham, Commitment to Freedom: The Story of The Christian Science Monitor [Der Freiheit verpflichtet: Die Geschichte des Christian Science Monitors] (Boston: Houghton Mifflin Company, 1958), 39.
- Robert Peel, Mary Baker Eddy: Years of Authority [Mary Baker Eddy: Jahre der Autorität] (Boston: The Christian Science Publishing Society, 1977), 312.
- „The Climate Generation: Born into crisis, building solutions“ [Die Klima-Generation: In der Krise geboren, erschafft sie Lösungen], The Christian Science Monitor, 2023–2024, https://www.csmonitor.com/Environment/Topics/The-Climate-Generation
- Im Februar 2025 wurde Christa Case Bryant Chefredakteurin des Monitors. Sappenfield ist derzeit Leitender Auslandskorrespondent mit Sitz in Berlin.