Mary Baker Eddys Besuch beim Mörder des Präsidenten Garfield
Im Uhrzeigersinn von oben links: Washington, DC, ca. 1880–1897. William Henry Jackson; Mary Baker Eddy an Edwin R. Robbins, 10. März 1882. L04065; Druck mit dem Bildnis von Präsident James A. Garfield, um den 5. Oktober 1881. W.J. Morgan & Co.; südöstlicher Blick von der Kuppel des Kapitols der Vereinigten Staaten, 1880. Levin C. Handy. Mit freundlicher Genehmigung der Kongressbibliothek, Abteilung für Drucke und Fotografien, LC-DIG-det-4a03942; LC-DIG-pga-03146; LC-USZ62-53506.
Manchmal erreichen uns Fragen in Bezug auf Mary Baker Eddys Umgang mit Charles J. Guiteau, dem Mann, der den U.S.-Präsidenten James A. Garfield ermordet hat. Hat sie ihn tatsächlich im Gefängnis besucht, und wenn ja, war sie in der Lage, ihm zu helfen?
Guiteau, geboren am 8. September 1841 in Freeport, Illinois, war ein gescheiterter Versicherungsvertreter und Anwalt, der bereits in der Vergangenheit durch unberechenbares Verhalten aufgefallen war. Nachdem er sich eine Zeit lang politisch engagiert hatte, war er der Ansicht, ihm stehe ein Posten in Garfields Regierung zu. Als dieser Posten nicht zustande kam, entzog Guiteau dem Präsidenten seine Unterstützung. Er gelangte zu der Überzeugung, dass Garfield beseitigt werden müsse und schoss am 2. Juli 1881 auf einem Bahnhof in Washington, D.C., auf ihn.1
Guiteau wurde von einem örtlichen Polizeibeamten am Tatort festgenommen und in einem Gefängnis im Südosten von Washington inhaftiert.2 Dort kam es zu seiner Begegnung mit Eddy. Anfang 1882 besuchten sie und ihr Ehemann, Asa Gilbert Eddy, die Stadt. Sie sprach über die Christliche Wissenschaft und hielt im Laufe ihrer neunwöchigen Reise 12 Vorträge.3 Ihr Ehemann stellte Untersuchungen über das Urheberrecht an.
Obwohl Guiteau nur in sehr eingeschränktem Umfang Besuch empfangen durfte, berichtete die Washington Post, dass am 12. Februar mehrere Personen kamen, um ihn in seiner Zelle zu besuchen.4 Er war am 25. Januar in einem Gerichtsverfahren für schuldig befunden und zum Tod durch Hinrichtung verurteilt worden.5 Eddy gehörte offenbar zu den wenigen Personen, denen es gestattet worden war, mit Guiteau zu sprechen.6 Sie schilderte diese Erfahrung ausführlich in einer Rede, die sie 1895 vor Absolventinnen und Absolventen des Lehrinstituts für Metaphysik in Massachusetts hielt und die später in ihrem Buch Vermischte Schriften 1883–1896 erneut veröffentlicht wurde:
Die verbrecherischen Gemütszustände, die der heutigen Zeit anzugehören scheinen, werden in der Metaphysik eindeutig als einige der vielen Gestalten und Formen dessen klassifiziert, was in krassen Fällen richtig als moralischer Schwachsinn bezeichnet wird. Ich besuchte den Mörder des Präsidenten Garfield in seiner Gefängniszelle und fand ihn in dem Gemütszustand des sogenannten moralischen Schwachsinns. Er war sich seines Verbrechens nicht bewusst, vielmehr hielt er seine Tat für gerecht und sich selbst für ein Opfer. Meine wenigen Worte rührten ihn, er sank kraftlos und bleich auf seinen Stuhl zurück, seine Geschwätzigkeit hatte aufgehört. Der Wärter dankte mir und sagte: „Andere Besucher haben ihm Blumen gebracht, aber Sie haben ihm gebracht, was ihm guttun wird.“7
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- Der Präsident erlag am 19 September seinen Verletzungen. Siehe Jay Bellamy, „A Stalwart of Stalwarts: Garfield’s Assassin Sees Deed as a Special Duty“ [Ein Getreuer unter den Getreuen: Garfields Mörder betrachtet seine Tat als besondere Pflicht], Prologue Magazine, Nationalarchiv, 13. Juni 2024, https://www.archives.gov/publications/prologue/2016/fall/guiteau; „Charles Guiteau Collection“ [Charles Guiteau Sammlung], Archivbestände der Universität Georgetown, Georgetown University, Oktober 2023, https://findingaids.library.georgetown.edu/repositories/15/resources/10031.
- “Charles Guiteau Collection“, Archivbestände der Universität Georgetown, Georgetown University, Oktober 2023, https://fin dingaids.library.georgetown.edu/repositories/15/resources/10031.
- Julia S. Bartlett, „A Worker in the Massachusetts Metaphysical College“ [Eine Mitarbeiterin im Lehrinstitut für Metaphysik in Massachusetts], in We Knew Mary Baker Eddy [Wir kannten Mary Baker Eddy], Erweiterte Ausgabe, Band I (Boston: The Christian Science Publishing Society, 2011), 56. Rundschreiben, undatiert, Standort in der Mary Baker Eddy Sammlung: Subject File, Eddy, Mary Baker – Visits to – Washington, D.C.
- „Guiteau’s Sunday“ [Guiteaus Sonntag], The Washington Post, 13. Februar 1882, 4.
- Guiteau wurde am 30. Juni 1882 hingerichtet.
- Der Biograph Robert Peel vermutet, dass jemand aus Eddys Verwandtschaft in Washington mit politischen Verbindungen – entweder Henry Moore Baker oder Fanny McNeil Potter – diesen Besuch ermöglicht haben könnte. Siehe Mary Baker Eddy: The Years of Trial [Mary Baker Eddy: Die Jahre der Bewährung], zweite Ausgabe (Boston: The Christian Science Publishing Society, 2024), 144–145.
- Vermischte Schriften 1883–1896, Mary Baker Eddy, 112.