Aus den Mary Baker Eddy Papers: Kinder und Jugendliche in den Anfängen der Christlichen Wissenschaft
Die Sonntagsschule der Mutterkirche, Boston, 6. Januar 1895. P07923. Vierteljahresheft der Christlichen Wissenschaft – Bibellektionen, Oktober–Dezember 1904. Box B534524, Ordner F342194.
Bei der Arbeit mit Dokumenten aus den Mary Baker Eddy Papers stößt unser Team auf Briefe von Menschen unterschiedlichster Herkunft. Das Thema Kinder kommt in verschiedenen Zusammenhängen zur Sprache, besonders da viele von denen, die an Mary Baker Eddy schrieben, selbst Kinder hatten. Insbesondere Mütter schrieben darüber, wie sie Kinderbetreuung organisierten, um Unterricht bei Eddy nehmen zu können, und wie sie sich um die besonderen Bedürfnisse ihrer Kinder kümmerten.1 In anderen Briefen freuten sich Eltern zu berichten, wie sehr ihren Kindern ein Verständnis der Christlichen Wissenschaft zugute kam.2 Diese Briefe zeigen, dass Eddys Lehren tatsächlich alle Altersgruppen ansprachen.
Einige Eltern teilten Eddys Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift mit ihren Kindern, vor allem durch die wöchentlichen Bibellektionen der Christlichen Wissenschaft. Die Lektionen wurden im Januar 1890 eingeführt und erfuhren in den darauffolgenden zehn Jahren verschiedene Änderungen, bevor sie im Rahmen von 26 Themen fest etabliert wurden, die Christliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute studieren und die die Grundlage für die Gottesdienste bilden. Es war offensichtlich, dass sich die Lektionen als wertvoll erwiesen, und diese Herangehensweise war so erfolgreich, dass Eltern in mehreren Briefen davon berichteten, wie ein oder mehrere Kinder Wissenschaft und Gesundheit zusammen mit der Bibel aus eigenem Antrieb studierten.
Hier nur ein Beispiel. Florence Clerihew Boyd schrieb 1910 an Eddy:
Ich fing an, den Kindern die wöchentliche Lektion vorzulesen, als die ältesten (Zwillinge) zwei Jahre alt waren – jetzt sind sie fast acht –, und sobald sie dazu in der Lage waren, ließ ich sie die Stellen aufschlagen – als sie lesen gelernt hatten, ließ ich sie die Lektion selbst lesen. Heute können sie mühelos jede Textstelle in der Bibel und in Wissenschaft und Gesundheit finden.
Sie fügte hinzu, wobei sie mit „Demonstrationen“ Heilungen meinte:
Sie haben außerdem gelernt, ihre eigenen Demonstrationen zu erbringen (selbst als sie erst zwei oder drei Jahre alt waren) und alle Arten von Problemen an das Prinzip zu verweisen, und sie lösen ihre eigenen Probleme häufig ohne weitere Hilfe und erklären anderen gegenüber die Wahrheit.3
Neben der Bibellektion wurde in vielen Briefen auch die 1885 ins Leben gerufene Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft als hilfreiche Grundlage für Kinder erwähnt. Erst zehn Jahre später wurde die Sonntagsschule ausschließlich Kindern vorbehalten. 1901 berichtete Anna B. White Baker in einem Brief an Eddy über einen achtjährigen Jungen namens Walter. Obwohl seine Eltern die Christliche Wissenschaft nicht studierten, erlaubten sie ihm, eine Sonntagsschule zu besuchen, doch dann änderten sie ihre Meinung und schickten ihn wieder in seine vorherige Kirche. Baker schrieb darüber:
Schlechte Zeiten brachen an, und als seine Mutter eines Tages trauerte, sagte er: ‚Wenn du mir erlaubt hättest, die Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft zu besuchen, Mama, dann
hattehätte ich so viel Wahrheit gelernt, dass ich uns vor alledem hätte bewahren können‘.4
Walters Eltern erlaubten ihm, zur Sonntagsschule zurückzukehren. Später hatte seine Mutter einen Unfall, bei dem ärztliche Hilfe versagte. Laut Baker „trat er leise an ihr Bett, legte ihr die Hände auf den Kopf und streichelte ihr sanft das Gesicht, während er alle Aussagen der Wahrheit über Gottes Allmacht aussprach, die er kannte – ihr Leiden verschwand.“ Sie schloss den Brief mit der Mitteilung, dass „ihr kleiner Sohn sie geheilt hat“.5
Boyd berichtete Eddy auch darüber, wie sie in ihrer Sonntagsschulklasse der Neun- und Zehnjährigen „ihnen die Gelegenheit gegeben hatte, der Klasse zu erzählen, welche Demonstrationen [Heilungen] sie jeweils in der Woche erbracht hatten, die sich auf die Lektion bezogen“, denn sie wollte ihnen bewusst machen, „dass das Demonstrieren einer der wichtigen Unterschiede zwischen einer Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft und allen anderen Sonntagsschulen ist“.
Sie fuhr fort:
Ich bin sehr beeindruckt von der Tatsache, dass die Kinder in Zeiten scheinbarer Not ganz natürlich als Erstes zu Wissenschaft und Gesundheit und der Bibel greifen. Wenn sie erzählen, wie sie eine Demonstration erbracht haben, sagen sie häufig: „Ich lief los und holte Wissenschaft und Gesundheit oder die Bibel und las eine Weile darin, und das half mir, mich an die Wahrheit zu erinnern, und dann waren die Schmerzen völlig verschwunden.“ Ich finde das wunderschön.6
Sich an „das Buch“ zu wenden war ein immer wiederkehrendes Thema in Briefen an Eddy und veranschaulichte den Glauben der jungen Leute. Die Eltern schienen tief beeindruckt davon zu sein, wie ihre Kinder die Christliche Wissenschaft praktizieren und so einfach und natürlich heilen konnten.
Briefe wie diese waren sicher eine hilfreiche Bestätigung für Eddy, dass die für ihre Kirche geschaffenen Strukturen – einschließlich der Bibellektionen und der Sonntagsschule – einem Bedürfnis entsprachen und zeigten, dass Kinder und Erwachsene die Lehren der Christlichen Wissenschaft gleichermaßen verstehen und praktizieren konnten. Baker schloss ihren Brief mit einer Anspielung auf das Buch Jesaja, in dem es sinngemäß heißt: „Ein kleines Kind wird sie führen“ (11:6). „Mit dem Glauben dieses kleinen Kindes“, schrieb sie, „werden wir alle einander lieben & und einander durch diese Liebe aufrechterhalten.“7
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- Siehe beispielsweise „Arbeit und Elternschaft im Jahr 1885“.
- Siehe beispielsweise „Die Predigt war wunderschön“.
- Florence Clerihew Boyd an Mary Baker Eddy, ca. September 1910, IC 649B.67.044, https://www.mbepapers.org/?load=649B.67.044
- Anna B. White Baker an Eddy, 30. September 1901, IC 242C.39.029, https://www.mbepapers.org/?load=242C.39.029
- Baker an Eddy, 30. September 1901, IC 242C.39.029, https://www.mbepapers.org/?load=242C.39.029
- Boyd an Eddy, ca. September 1910, IC 649B.67.044, https://www.mbepapers.org/?load=649B.67.044
- Baker an Eddy, 30. September 1901, 242C.39.029, https://www.mbepapers.org/?load=242C.39.029