Wie reagierte Mary Baker Eddy auf den Russisch-Japanischen Krieg?

1. April 2022

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Eine Postkarte preist „Das Drama von Portsmouth“ – die Unterzeichnung des Friedensvertrags von Portsmouth mit Abbildungen von Präsident Theodore Roosevelt, Zar Nikolaus II, dem Mikado, Graf Sergei Witt, Baron de Rosen, Baron Komura und Baron Takahira, umringt von anderen ikonografischen Bildern, c. 1905. Mit freundlicher Genehmigung der Kongressbibliothek, Abteilung für Druck und Fotografie.

Russlands Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar hat die Welt erschüttert. Wir haben uns gefragt, was unsere Sammlung uns erzählen könnte über Mary Baker Eddy und einen früheren Konflikt: den Krieg von 1904–1905 zwischen Russland und Japan, ausgetragen an Land und auf See in Ostasien.1 Wie reagierte Mrs. Eddy als Führerin der Bewegung der Christlichen Wissenschaft – insbesondere durch Anweisen des „besonderen Gebets“ der Kirchenmitglieder?

Mrs. Eddy gab im Boston Sunday Globe eine öffentliche Stellungnahme bezüglich des Kriegs ab, veröffentlicht am Weihnachtstag 1904. Innerhalb eines Artikels mit dem Titel „Is the Reign of Universal Peace Drawing Near?“ [Naht die Herrschaft des universellen Friedens?], der sich aus Stellungnahmen bekannter Personen wie Andrew Carnegie und Julia Ward Howe zusammensetzte, war ihr Beitrag überschrieben mit „Wie Streit geschlichtet werden kann“. Ihre ersten Sätze waren prägnant. „Der Krieg ist an sich ein Übel, barbarisch, teuflisch“, merkte sie an. Im weiteren Verlauf des Artikels gab sie Worte wieder, die sie in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift geschrieben hatte:

Das Christentum Christi ist die Kette des wissenschaftlichen Seins, das zu allen Zeiten wiedererscheint, seine offensichtliche Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift bewahrt und alle Zeiten in Gottes Plan vereint.2

Der Globe mag Mrs. Eddys Aufmerksamkeit auf diesen weit entfernten Konflikt gerichtet haben. Er wütete auch noch am 13. Juni 1905, als sie eine ungewöhnliche Anfrage „an meine Kirche“ richtete, die vier Tage später im Christian Science Sentinel veröffentlicht wurde: „Meine Geliebten! Ich bitte darum, dass jedes Mitglied der Mutterkirche Christi, Wissenschaftler, in Boston, jeden Tag für die gütliche Beilegung des Krieges zwischen Russland und Japan bete; dafür bete, dass Gott diese große Nation und jene Inseln im Meer mit Frieden und Wohlstand segnen möge.“3

Zwei Wochen später veröffentlichte der Sentinel eine weitere Bitte Mrs. Eddys, die manche erstaunte:

„HÖRE, ISRAEL, DER HERR IST UNSER GOTT, DER HERR ALLEIN“

Ich bitte jetzt darum, dass die Mitglieder meiner Kirche das besondere Gebet für den Frieden unter den Völkern einstellen, und dies im vollen Glauben, dass Gott unsere Gebete nicht allein um der häufigen Worte willen erhört, sondern dass Er alle Bewohner der Erde segnet und niemand Seiner Hand wehren kann noch zu Ihm sagen: Was machst Du? Aus Seiner Allheit muss Er alle mit Seiner Wahrheit und Liebe segnen.

Mary Baker Eddy4

Diese Anweisung wurde in der öffentlichen Presse umfassend kommentiert. Infolgedessen erschien eine Stellungnahme im Boston Herald vom 13. Juli, in der Mrs. Eddy den Grund für die Änderung ihres ursprünglichen Ersuchens erläuterte. Sie wurde im Sentinel vom 22. Juli veröffentlicht: „Ich habe meine Kirche keineswegs und in keiner Weise ersucht, aufzuhören, für den Völkerfrieden zu beten, sondern nur, in dem besonderen Gebet für den Frieden innezuhalten.“ Sie fährt fort, dass es zu dieser Veränderung gekommen war, weil sich ihr „eine geistige Voraussicht des Völkerdramas“ geboten hatte, die „ein weiseres Bedürfnis wachrief“. Und sie erwähnte „den Glauben, dass Gott alles lenkt“, „als unser gegenwärtiges Bedürfnis“.5

Das von Mrs. Eddy vorhergesehene „Drama“ dürfte sich nur 60 Meilen entfernt von ihrem Zuhause in Concord, New Hampshire, abgespielt haben. Der Biograph Robert Peel weist darauf hin, dass nicht lange nach Mrs. Eddys Stellungnahme vom Juli „russische und japanische Repräsentanten infolge der Vermittlungsbemühungen Theodore Roosevelts [am 9. August] zu einer Friedenskonferenz in Portsmouth, New Hampshire, zusammengekommen waren“.6

Wie reagierten Christliche Wissenschaftler:innen? In einem Brief vom September berichtete Morris Weber aus Roseburg, Oregon, Mrs. Eddy von seinem Ringen, den eigenen Glauben zu stärken, „dass Gott alles lenkt“. Er schrieb: „Ich wurde in St. Petersburg in Russland geboren und bin dort aufgewachsen, und seit Beginn der Kampfhandlungen habe ich versucht, die Situation von einem christlich-wissenschaftlichen Standpunkt aus zu betrachten.“ Aber er räumte ein, dass „jede russische Niederlage schwere mentale Kämpfe in meinem Inneren nach sich zog, denn ich liebe das russische Volk inniglich“. In seinem Brief heißt es weiter:

Als Sie uns baten, für eine friedliche Lösung zu beten, wurde ich von einem Gefühl des absoluten Unvermögens ergriffen, so etwas zu tun. Aber mich hatte die Erfahrung gelehrt, Ihnen zu gehorchen, und das tat ich auch. Ein großer Friede überkam mich in jener Stunde, denn ich konnte sowohl die Russen als auch die Japaner als Gottes Kinder sehen, vollkommen und ewig, und diese Überzeugung verdrängte jedes Vorurteil und ließ Liebe über alles regieren.

„Da ist weder Jude noch Grieche, weder Knecht noch Freier, weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.“ 7

Mrs. Eddy schrieb ein Wort auf den Umschlag von Webers Brief: „Frieden.“

Der Globe bat Mrs. Eddy um eine weitere Stellungnahme, die am 30. August in der Zeitung veröffentlicht wurde. Sie lautete, in Auszügen:

Die Kriege werden aufhören, wenn die Völker für den Fortschritt reif sind. Der Vertrag von Portsmouth hat keine Exekutivgewalt, sein Zweck ist vielmehr, das Wohlwollen unter den Menschen zu fördern. Die Regierung eines Volkes schafft oder bricht den Frieden. …

Obwohl ich den Glauben unseres Präsidenten an alle Völker und seine Freundschaft für sie bewundere, muss ich doch meine Hoffnung auf Gott setzen und auf die biblische Ermahnung: „Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt Enden.“8

Am 5. September 1905 unterzeichneten Japan und Russland einen Waffenstillstand, der ihren 19 Monate andauernden Konflikt beendete.


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  1. Für eine Zusammenfassung des Russisch-Japanischen Kriegs, siehe Encyclopædia Britannica, “Russo-Japanese War” [Russisch-Japanischer Krieg], „Top Questions“ Auswahlmenü, https://www.britannica.com/event/Russo-Japanese-War, eingesehen am 7.3.2022 (auf Englisch).
  2. Mary Baker Eddy, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (Boston: The Christian Science Board of Directors), 271.
  3. Siehe Mary Baker Eddy an die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, 13. Juni 1905, L00432. Dieser Brief wurde später als „Das Gebet für den Frieden“ in Die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, und Verschiedenes neu veröffentlicht (Boston: The Christian Science Board of Directors), 279.
  4. Mary Baker Eddy, „,Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein“‘, Christian Science Sentinel, 1. Juli 1905, 708; später neu veröffentlicht in Verschiedenes, 280.
  5. Siehe „Mrs. Eddy‘s Requests“ [Mrs. Eddys Ersuchen], Sentinel, 22. Juli 1905, 756; auszugsweise neu veröffentlicht als „Eine Erläuterung“ in Verschiedenes, 280–281.
  6. Robert Peel, Mary Baker Eddy: The Years of Authority [Mary Baker Eddy: Die Jahre der Autorität] (New York: Holt, Rinehart & Winston, 1977), 256.
  7. Morris Weber an Mary Baker Eddy, 8. September 1905, IC722a.89.018.
  8. Mary Baker Eddy, „Betätigt die Goldene Regel“, Boston Daily Globe, 30. August 1905, 4; neu veröffentlicht in Verschiedenes, 281–282.