Aus den Mary Baker Eddy Papers: „Dieses Büchlein wird Sie berühmt machen!“

Mary Baker Eddy schreibt 1884 an Caroline D. Noyes und ermuntert sie, „das Buch weiterzugeben, das so viel Gutes tut“. Sie sagt, ihre Schüler berichteten, dass Wissenschaft und Gesundheit so viel Heilung bewirke wie sie selbst es könnten, wenn nicht noch mehr. Es folgt die mit Anmerkungen versehene Korrespondenz zwischen Caroline D. Noyes und Mary Baker Eddy.


Ausgabetitel: Caroline D. Noyes an Mary Baker Eddy, 19. Juni 1884

Verfasser: Caroline D. Noyes*
Empfänger: Mary Baker Eddy
Datum: 19. Juni 1884
Dokument: 304.43.008
Manuskriptbeschreibung: Handgeschrieben von Caroline D. Noyes aus Chicago, Illinois, USA auf liniertem Papier mit aufgeprägten Vögeln.
Ausgabehinweis: Der fett gedruckte Text vor dem Brief gibt einen Zeitungsausschnitt wieder, der oben auf Noyes‘ Brief aufgeklebt war.

KATIE SWARTS**, METAPHYSIKERIN, WIRD heute Abend um 20 Uhr im Haus 213 W. Madison St. einen Vortrag über die Göttliche Wissenschaft der Gesundheit halten, bzw. Anweisungen im mentalen Heilen geben. Eintrittspreis 10 Cent. Privatanschrift 14 Bryan Place.

Chicago, 19. Juni 1884

Liebe Mrs. Eddy –

ich habe ein Rundschreiben bezüglich der Bücher erhalten1 und freute mich zu erfahren, dass ich durch eine Bestellung von einem Dutzend Büchern einen Preisnachlass bekommen könnte, denn jetzt bin ich zuversichtlich, dass ich es mir leisten kann, gelegentlich einen Satz zu verschenken – Dieses Büchlein2 wird Sie für alle Zeit berühmt machen und selbst wenn man es in goldenen Lettern auf Silber druckte, wäre es nicht hinreichend geehrt – Ich hatte ein paar Exemplare von Dr. Sherman*** bekommen, doch natürlich musste ich ihm den vollen Preis bezahlen – Ich lege zwei Dollar3 für mein Inserat bei[.]4 Ich hoffe, dies ist rechtzeitig für die nächste Ausgabe –

Ich füge außerdem diese Anzeige mit bei, die ich der gestrigen Abendzeitung entnommen habe, damit Sie sehen, was einige Leute hier machen – Ich sage Ihnen, Mrs. Eddy, dass dieser Westen ein eigenartiger Ort ist; da ist mir das biedere alte Boston lieber. [D]och jetzt bin ich hier und jetzt bleibe ich erst mal hier, obwohl mir die Art, wie manche arbeiten, zutiefst zuwider ist. Dr. Shermans Leuten geht es ebenso – Wir lehnen jede Verbindung zu diesem Humbug der Swarts ab – sie müssen in den letzten paar Tagen geheiratet haben – Meine Patienten machen gute Fortschritte, soweit ich welche habe, doch meine Geschäfte laufen lange nicht so gut, wie damals, als Sie hier draußen waren, was selbstverständlich völlig unnatürlich ist, doch ich war guten Mutes, seit ich Ihnen geschrieben hatte, und ich weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, denn meine Patienten fanden sich in der Welt noch nie so gut zurecht wie jetzt, und ich habe einige extreme Fälle –

Bitte schicken Sie meine Bücher per Nachnahme, ein Dutzend Exemplare –

Ich wünsche Ihnen alles Glück & Gedeihen und empfehle mich Ihnen als Ihre lebendige Schülerin

Mrs. G. P. Noyes


Ausgabetitel: Mary Baker Eddy an Caroline D. Noyes, 27. Juni 1884

Verfasser: Mary Baker Eddy
Empfänger: Caroline D. Noyes
Datum: 27. Juni 1884
Dokument: L05410
Manuskriptbeschreibung: Handgeschrieben von Mary Baker Eddy auf Briefpapier des Lehrinstituts für Metaphysik in Massachusetts, USA.

Mrs. Noyes
Meine liebe Schülerin

Ihre Unterstützung wurde mit Freuden entgegengenommen und ich nutze meine erste Gelegenheit zu antworten.

Ich bin erfreut, dass Sie Schritte unternehmen, um das Buch weiterzugeben, das so viel Gutes tut. Meine Schüler berichten, dass das Buch so viel Heilung bewirke wie sie selbst es könnten, wenn nicht noch mehr. Ja, meine Liebe, ich stimme Ihnen zu, dass das saubere biedere alte Boston das richtige Zuhause ist, und ich hoffe immerhin, dass Sie sich in der nicht allzu fernen Zukunft hier wieder niederlassen werden. Ja, Sie können mit verlässlicherem Erfolg heilen als je zuvor, und jetzt gehen Sie dagegen an und meistern Sie die Lüge, die dies leugnen möchte. Sie wissen, dass eine Falschheit keine Macht besitzt, erkennen Sie dies einfach und Sie werden im Lot sein. Es gibt kein Gemüt außer Gott und es gibt keine Intelligenzen oder individualisierten Gemüter, die Ihnen auf Ihrem Weg auflauern können.**** Erkennen Sie dies, mein liebes Mädchen, und seien Sie ganz beruhigt. Sie wachsen und ich bitte Sie, lassen Sie sich auf Ihrem Weg nach oben durch nichts aufhalten. Ja, diese Anzeige ist lächerlich. Ich habe ihnen geschrieben, dass sie nicht fähig sind zu unterrichten, doch letztlich bin ich nicht meiner Schüler Hüterin. Sie haben allerdings nie einen Kurs bei mir belegt.

Gott segne Sie – Auf Wiedersehen

M B G Eddy

(Ich schicke Ihnen eine Broschüre)

Hier geht die Arbeit wundervoll voran; schreiben Sie mir hin und wieder und ich werde antworten, wenn ich kann

Wollen Sie nicht Mrs. Coursen***** aufsuchen und ihr etwas helfen? Sie braucht einen echten Wissenschaftler5, der gelegentlich mit ihr spricht und sie ermutigt, den richtigen Weg zu akzeptieren

M B G E

*Caroline D. Noyes

Caroline D. Noyes (1846–1922) wurde in Gardiner im US-Bundesstaat Maine geboren und starb dort auch. 1882 begann sie, sich für die Christliche Wissenschaft zu interessieren, nachdem sie Vorträge in Mary Baker Eddys Haus in der Columbus Avenue 569 besucht hatte. Später nahm sie bei Eddy Unterricht; sie absolvierte den Elementarunterricht (1884), die Lehrerbildungsklasse (1885) und den Kurs für Geburtshilfe (1887). Noyes trat im März 1884 der Vereinigung Christlicher Wissenschaftler und am 31. Dezember 1892 der Ersten Kirche Christi, Wissenschaftler, bei, deren Mitglied sie bis zu ihrem Ableben war. Sie zählte zu den Pionieren der Christlichen Wissenschaft im Mittleren Westen. 1886 war sie Gründungsmitglied des ersten Christian Science Instituts im US-Bundesstaat Illinois sowie der Kirche Christi (Wissenschaftler) in Chicago (die später in Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, Chicago umbenannt wurde). Ende der 1890er Jahre kehrte sie nach Gardiner zurück, wo sie bis 1914 als Praktikerin und Lehrerin der Christlichen Wissenschaft tätig war; sie inserierte während dieser Zeit im Verzeichnis der Monatsschrift The Christian Science Journal.

**Kate (Katie) Swarts

Katie Swarts (ca. 1839–ca. 1911) wurde im US-Bundesstaat Michigan geboren und starb mit größter Wahrscheinlichkeit im US-Bundesstaat Illinois. Im Mai 1884 nahmen sie und ihr Mann A. J. Swarts an den letzten fünf Tagen einer Elementarklasse teil, die Mary Baker Eddy in Chicago unterrichtet hat. Kurz darauf unterrichtete Swarts gemeinsam mit ihrem Mann in ihrer eigenen metaphysischen Heil- und Lehrpraxis, die sie Spiritual Science University [Universität der Geistigen Wissenschaft] nannten. Ihr System übernahm die Terminologie der Christlichen Wissenschaft und leugnete gleichzeitig Eddys Methoden. Von 1885 an gaben sie eine Monatszeitschrift mit dem Titel The Mind Cure and Science of Life ([Die Gemütsheilung und die Wissenschaft des Lebens] später in Mental Science Magazine [Zeitschrift der mentalen Wissenschaft] umbekannt) heraus, die regelmäßig Artikel veröffentlichte, in denen Eddys Lehre abgelehnt wurde. Ende 1888 überschrieb A. J. Swarts das Eigentum am Mental Science Magazine an Katie, die es im Frühjahr 1889 an Ida A. Nichols weiterverkaufte. 1892 studierte Katie Swarts die Christliche Wissenschaft bei Mary A. Philbrick, einer Schülerin von Mary Baker Eddy, und fragte bei Eddy an, ob sie sich der Bewegung der Christlichen Wissenschaft wieder anschließen könne. Eddys Antwort ist nicht erhalten und es gibt keinen Hinweis darauf, dass Katie Swarts der Ersten Kirche Christi, Wissenschaftler, beigetreten ist. Sie hatte an den letzten Unterrichtsstunden der Klasse teilgenommen, die Mary Baker Eddy in Chicago unterrichtet hatte, und dann begonnen, ihr eigenes Heilsystem zu unterrichten, das die Terminologie der Christlichen Wissenschaft übernahm, aber gleichzeitig Eddys Methoden ablehnte.

***Dr. Sherman

Bradford Sherman (1827–1917) wurde in Eastham im US-Bundesstaat Massachusetts geboren und starb in Chicago im US-Bundesstaat Illinois. Shermans Interesse an der Christlichen Wissenschaft nahm 1882 seinen Anfang, als er in Boston Zeuge einer Heilung wurde. Dann kehrte er nach Chicago zurück und nachdem er Wissenschaft und Gesundheit studiert hatte, fing er an zu unterrichten und zu heilen. Später war er Schüler von Mary Baker Eddy; er absolvierte den Elementarunterricht (1884) und die Lehrerbildungsklasse (1885). Sherman spielte eine wichtige Rolle beim Wachstum der Bewegung der Christlichen Wissenschaft im Mittleren Westen und half ferner bei der Planung für Eddys ersten Besuch in Chicago im Mai 1884. Er trat am 4. März 1885 der Vereinigung Christlicher Wissenschaftler und im Juli 1893 der Ersten Kirche Christi, Wissenschaftler, bei, deren Mitglied er bis zu seinem Ableben war. Sherman inserierte von 1884 bis 1917 als Praktiker und Lehrer der Christlichen Wissenschaft in der Monatsschrift The Christian Science Journal und praktizierte von 1884 bis 1897 zusammen mit seiner Frau Martha E. Sherman und von 1902 bis 1917 mit seinem Sohn Roger.

****Mentale Malpraxis/Mesmerismus

Mary Baker Eddy bezeichnete mentale Malpraxis als „die schädliche Tätigkeit eines sterblichen Gemüts, das ein anderes aus unrechten Motiven beherrscht, und sie wird entweder in irrtümlicher oder in böser Absicht ausgeübt“ (Wissenschaft und Gesundheit 451:27). Sie sah die Grundlage solcher Malpraxis als „tierischen Magnetismus“, der auch als „Mesmerismus“ bekannt war. Mesmerismus wurde im 18. Jahrhundert zuerst von Franz Anton Mesmer aufgebracht, der feststellte, dass bestimmte Personen in eine Art „magnetischen Schlaf“ versetzt werden konnten, in dem sie durch mentale Suggestionen beeinflusst oder gesteuert werden konnten, die ihnen verbal oder telepathisch vom „Mesmeristen“ eingegeben wurden. Eddy warnte ihre Schüler davor, das sterbliche Gemüt bzw. Mesmerismus zu verwenden (Wissenschaft und Gesundheit 591:26), um andere bei ihrer Praxis der Christlichen Wissenschaft zu steuern, indem sie schrieb: „In der Christlichen Wissenschaft haben wir kein moralisches Recht und keine Vollmacht, die Gedanken anderer zu beeinflussen, es sei denn, um Gott zu dienen und die Menschheit zu segnen. Der Mensch regiert sich richtigerweise selbst, und er sollte von keinem anderen Gemüt als von der Wahrheit, dem göttlichen Gemüt, geleitet werden“ (Botschaft für 1901 20:2–8). Sie empfand es als wichtig, dass ihre Schüler wissen, wie sie sich gegen widrige Auswirkungen jedweder Art verteidigen können, die vom sterblichen Gemüt ausgehen, und fügte einen wichtigen Abschnitt zu Wissenschaft und Gesundheit hinzu, um dieses Thema auszuführen (Rückblick und Einblick 38:7–10).

*****E. S. Coursen

E. S. Coursen (später Emily S. Dainty) (1847–1921) wurde auf der Insel Mackinac im US-Bundesstaat Michigan geboren und starb in Chicago im US-Bundesstaat Illinois. Coursen lernte 1883 bei Charles Osgood, einem Metaphysiker in Charlestown im US-Bundesstaat Massachusetts. Kurz darauf traf sie in Boston mit Mary Baker Eddy zusammen und verlieh ihrer Unzufriedenheit mit Osgoods Unterricht Ausdruck. Eddy bot Coursen eine Teilnahme an ihrem Kurs zu einem ermäßigten Preis an. Sie nahm das Angebot an und lernte bei Eddy im Mai 1884 in Chicago. Coursen war die Frau von Abraham G. Coursen, dem Geschäftspartner von John Sherman, dem jüngeren Bruder Bradford Shermans. Bradford war ein Schüler Eddys, der eine wichtige Rolle beim Wachstum der Bewegung der Christlichen Wissenschaft im Mittleren Westen spielte. Es gibt keinen Hinweis darüber, dass Coursen der Vereinigung Christlicher Wissenschaftler oder der Kirche Christi (Wissenschaftler) beitrat.

Kommentierte Dokumente im Original auf der Mary Baker Eddy Papers Website (Website nur auf Englisch):


Die Website Mary Baker Eddy Papers ist ein intensives Unterfangen der Mary Baker Eddy Bibliothek, Mary Baker Eddys Korrespondenz, Predigten und andere Manuskriptmaterialien zu kommentieren und digital zu veröffentlichen.

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  1. Sofern nicht anderweitig angezeigt, bezieht sich „das Buch“ in diesen Briefen auf Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy.
  2. Siehe Offenbarung 10:1–11.
  3. 2,00 Dollar im Jahr 1884 entsprechen 2019 einem Wert von 57,62 Dollar.
  4. Damit bezog sich Noyes wahrscheinlich auf ihr Inserat als Praktikerin (Heilerin) der Christlichen Wissenschaft in der Monatsschrift The Christian Science Journal.
  5. Christlichen Wissenschaftler