Frauen der Geschichte: Lily Egli

10. November 2020

Lily L. Egli (ca. 1898–1963) war die erste Lehrerin der Christlichen Wissenschaft in der französischsprachigen Schweiz. Der Herold der Christlichen Wissenschaft vom Dezember 1951 enthält einen Bericht darüber, wie sie diese Religion kennenlernte:

Im Jahre 1917 kam ich nach vielen Sorgen, Enttäuschungen und Krankheiten zur Christlichen Wissenschaft und besuchte meinen ersten Sonntagsgottesdienst. Während der gemeinsamen Wiederholung des Gebets des Herrn mit der geistigen Auslegung gemäß dem Lehrbuch Wissenschaft und Gesundheit von Mary Baker Eddy wurde ich augenblicklich von einem Gefühl der Einsamkeit und Verlassenheit geheilt, als ich die Worte (S. 16) hörte: „Unser Vater-Mutter-Gott, all-harmonisch.“ Ich fühlte sogleich die Freude, meine wahre Familie gefunden zu haben … Ich wusste, dass ich schließlich das Prinzip gefunden hatte und dass es meinen Weg erleuchten würde.1

Egli suchte bald nach diesem Gottesdienst eine Praktikerin der Christlichen Wissenschaft auf. Ihr persönlicher Hintergrund war weltlich; sie kannte weder die Bibel noch hatte sie eine religiöse Ausbildung erhalten. Direkt aus ihrer jüngsten Erfahrung heraus schrieb sie jedoch: „Als ich von dem Sprechzimmer der Praktikerin nach Hause kam, fand ich eine Bibel. Meine Dankbarkeit gegen unsere geliebte Führerin [Mary Baker Eddy] war grenzenlos, denn durch sie entdeckte ich die unschätzbaren Lehren unseres Meisters [Christi Jesu].“2

Wir wissen wenig über Eglis Privatleben. Sie war vielleicht eine Kinderfrau, die sich in Basel (Schweiz) um kleine Kinder kümmerte. Sie könnte zu einem früheren Zeitpunkt auch in Zürich gewohnt haben.3 Als sie in London lebte, wurde sie im Jahr 1927, etwa zehn Jahre nach ihrer Einführung in die Religion, Mitglied Erster Kirche Christi, Wissenschaftler (Die Mutterkirche). Egli berichtete vielleicht bezeichnenderweise, im Jahr zuvor durch Gebet geheilt worden zu sein, nachdem sie sich durch kochendes Wasser eine Verbrühung zugezogen hatte.4

1940 ließ sie sich in Genf nieder, wo sie erstmals in den Monatsschriften The Christian Science Journal und Le Héraut de la Science Chrétienne als Praktikerin inserierte und ihre Praxis in einer Wohnung am Boulevard des Philosophes 16 hatte. Diese lag in der Nähe Erster Kirche Christi, Wissenschaftler, Genf, wo sie Mitglied war. Aufzeichnungen lassen darauf schließen, dass Egli eine wichtige Rolle in der Arbeit dieser Zweigkirche spielte – und dass sie gelegentlich für Wirbel sorgte.

Zusätzlich zu ihrer öffentlichen Praxis waren Eglis perfekte Englischkenntnisse – die sie sich vielleicht während ihres Aufenthalts in England angeeignet hatte – ein Faktor, der sie für die Teilnahme an der Lehrerbildungsklasse der Mutterkirche im Jahr 1949 qualifizierte, wo sie die Berechtigung, sich Lehrerin der Christlichen Wissenschaft zu nennen, erwarb. Im Kirchenhandbuch heißt es, dass Schüler der Lehrerbildungsklasse „gründliche Kenner der englischen Sprache sein [müssen]“ (S. 90). Während Egli ihre eigenen Elementarklassen auf Französisch unterrichtete, wurde die Lehrerbildungsklasse in Boston abgehalten und auf Englisch unterrichtet. Sie nahm ihre Arbeit zu einem Zeitpunkt auf, als ihre Heimatstadt in der Ära nach dem Zweiten Weltkrieg als Zentrum der Aktivitäten der Vereinten Nationen zunehmend an Bedeutung gewann, an zweiter Stelle nach New York City, dem Hauptquartier der UNO.

Egli, die nie geheiratet hat, lebte bis zu ihrem Tod 1963 als Praktikerin und Lehrerin in Genf. Wie normalerweise üblich, blieb Eglis Schülervereinigung auch nach dem Ableben ihrer Lehrerin aktiv. Ihre Schülerinnen und Schüler kamen weiterhin zu jährlichen Treffen zusammen und unterstützten die Aktivitäten der Christlichen Wissenschaft, insbesondere in der französischsprachigen Schweiz, bis sich die Schülervereinigung im Jahr 2009 schließlich auflöste.

In ihrem Artikel „Letting Our Light Shine Before Men“ [Unser Licht vor den Menschen leuchten lassen] schrieb Egli:

Wir mögen weit davon entfernt sein, alle Dinge in Bezug auf Herrschaft oder Heilung bewiesen zu haben, aber wir haben immer genug Beweise für Gottes Fürsorge in unserer täglichen Erfahrung, um unserer Familie, unseren Freunden und denen, mit denen wir im Geschäftsleben zu tun haben, ein frohes Antlitz zu zeigen … Lasst uns daran denken, dass es immer jemanden gibt, der unser Licht braucht, der wissen muss, dass Gott unendliche göttliche Liebe ist und dass der Mensch Sein geliebtes Kind ist.5

Print Friendly, PDF & Email
  1. Egli, „Im Jahre 1917 kam ich nach vielen Sorgen, Enttäuschungen und Krankheiten …“, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Dezember 1951, 345.
  2. Ebd.
  3. Deutsche Nationalbibliothek (Leipzig, Deutschland: Schwabe, 1940); Deutsche Nationalbibliothek (Leipzig, Deutschland: Orell Füssli, 1920).
  4. Egli, „Im Jahre 1917 kam ich nach vielen Sorgen, Enttäuschungen und Krankheiten …“, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Dezember 1951, 345.
  5. Egli, „Letting Our Light Shine Before Men“ [Unser Licht vor den Menschen leuchten lassen], Christian Science Sentinel, 4. Mai 1946, 763–764.