Hat Mary Baker Eddy das geschrieben? Die Autorschaft von „Eine Behandlung für jeden Tag“

6. August 2020

Ein Artikel mit dem Titel „Eine Behandlung für jeden Tag“ hat als Text, den Mary Baker Eddy angeblich im Christian Science Journal veröffentlicht haben soll, weite Verbreitung gefunden. Diese Abhandlung scheint aber eine Zusammenstellung mehrerer unterschiedlicher Beiträge zu sein. Unsere Nachforschungen deuten in der Tat darauf hin, dass dieser Artikel nicht von Eddy stammt. Er erschien auch nie im Journal. Im Folgenden haben wir den Text in Abschnitte unterteilt und die Urheberschaft eines jeden vermerkt.

TEIL 1:

Jedes Mal, wenn Sie erklären, dass Sie in Gott vollkommen sind, geht eine gesundheitsfördernde Kraft durch den Körper. Wenn Sie ohne den geringsten Zweifel diese Wahrheit aller Wahrheiten erkennen, dass Sie jetzt vollkommen in Gott sind, nicht sein werden, dann werden wunderbare Dinge geschehen. Nun möchte ich Sie eindringlich bitten, so schwierig es auch erscheinen mag, unzählige Male zu erklären, dass Sie vollkommen, freudig, siegreich und vollständig sind. Sagen Sie oft: Gott ist meine Stärke; Gott ist mein Leben; Gott ist meine Gesundheit; Gott ist mein Verständnis. Sie haben in Ihm die Herrschaft über die Welt, das Fleisch und den Teufel; eine Herrschaft, die allmächtig ist. Ihr Leben ist in Ihm. Keine Macht kann Sie binden.

Dieser Teil stammt aus einem kurzen Artikel von „L. J. N.“ (L. J. Nusbaum) mit dem Titel „The Way to Begin in Christian Science“ [Wie man im Sinne der Christlichen Wissenschaft den Anfang macht]. Der Artikel erschien in der Ausgabe des Christian Science Journals vom September 1889. Er wurde anschließend als „Traktat“ von der Verlagsgesellschaft der Christlichen Wissenschaft herausgegeben und fand nicht nur in englischer, sondern auch in deutscher und norwegischer Sprache besonders große Verbreitung.

TEIL 2:

Gott ist das einzige Leben. Geist ist die einzige Substanz. Liebe ist die einzige Ursache. Harmonie ist das einzige Gesetz. Jetzt ist die einzige Zeit.

Diese Sätze ähneln Bemerkungen, die Theodore F. Seward, ein Geistlicher der Episkopalkirche, in einer Rede über die Christliche Wissenschaft gemacht hat.1

TEIL 3:

Dies ist Gottes geistiger Haushalt. Nichts kann hier eindringen, um zu verärgern oder zu zerstören. Nichts kann hier eindringen, um Sünde oder Krankheit zu manifestieren, weder Tod oder Entmutigung, denn Gott, das Gute, erfüllt diesen Haushalt mit vollkommener Liebe und vollkommenem Frieden und regiert jedes seiner Mitglieder. Es gibt keinen bösen Zustand oder Gedanken, der ein Gesetz behaupten, vorschlagen oder erlassen kann, um mich zu beherrschen, zu kontrollieren, niederzudrücken, das Böse über mich zu bringen oder Gutes aus meinem Bewusstsein auszuschließen. Es gibt kein Gesetz des Versagens, keine Not, keine Armut, keinen Mangel und keine Begrenzung. Es gibt kein Gesetz außer dem Göttlichen Gesetz, das Wohlstand, Harmonie und Herrschaft in Fülle beinhaltet. Kein sterbliches Gemüt und keine sterblichen Gemüter, seien sie gut oder schlecht oder gleichgültig, individuell, kollektiv oder universell, können mich oder irgendjemanden im Radius meines Denkens heute berühren, denn Gott, das Gute, regiert mich und jedes Mitglied dieses Haushalts in Vollkommenheit.

Dieser Abschnitt wird oft separat unter dem Titel „Gottes geistiger Haushalt“ weitergegeben. Wir haben zwar keinen Hinweis gefunden, wer ihn geschrieben hat, aber wir können bestätigen, dass Eddy nicht die Autorin war; die Schreibweise unterscheidet sich deutlich von ihrem üblichen Stil, sowohl dem frühen als auch dem späten.

TEIL 4:

Geliebter Vater-Mutter-Gott, gib uns die Weisheit, die Probleme zu lösen, die sich uns heute stellen. Gib mir Verständnis, um den Irrtum zurückzuweisen. Gib mir die Güte zu schweigen, wenn es nicht notwendig ist zu sprechen. Oh Liebe, nimm mich auf. Gib mir ein Gemüt, ein Bewusstsein und befähige mich, meinen Nächsten wie mich selbst zu lieben. Wenn ich aufhöre zu richten, zu kritisieren oder zu verurteilen, fange ich an, Fortschritt zu machen.

Teile dieses Abschnitts könnten authentisch sein. Am 1. Januar 1898 schrieb Alfred Baker an Mary Baker Eddy und dankte ihr dafür, dass sie ihm ein Gebet geschickt hatte, das den Satz beinhaltete „Liebe, nimm mich einfach auf“.2 Im darauffolgenden Jahr schrieb Anna White Baker, Alfred Bakers Frau, einen Brief an eine Freundin und zitierte aus einem Gebet, das Eddy ihrem Mann einmal geschickt hatte: „Oh Liebe, nimm mich einfach auf, Oh Liebe, gib mir ein Gemüt, kein anderes Bewusstsein, und lass mich meinen Nächsten lieben wie mich selbst.“3

TEIL 5:

Wenn andere hassen, verachten, ignorieren, Hilf mir, lieber Gott, sie mehr zu lieben.

Dieses Zitat soll auf einem handgeschriebenen Zettel gestanden haben, der einst über Eddys Bett hing. Das Blatt selbst ist nicht vorhanden.

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  1. „Christian Science at an Episcopal Congress“ [Die Christliche Wissenschaft bei einem Kongress der Episkopalkirche], Christian Science Sentinel, 22. November 1900, http://sentinel.christianscience.com/shared/view/k2eviu8bga?s=t
  2. Alfred Baker an Mary Baker Eddy, 1. Januar 1898, 242a.
  3. Anna B. White Baker an Mary Kimball Morgan, 31. Oktober 1899, V03415.