Aus den Mary Baker Eddy Papers: Mary Baker Eddys Überzeugungen hinsichtlich der Sklaverei

7. Februar 2022

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Mary Baker Eddy an Benjamin F. Butler, 17. August 1861, L02683. Studio-Portrait von Mary M. Patterson (Eddy), ca. 1863, Ferrotypie, unbekannter Fotograf, P00161. Portrait von Generalmajor Benjamin F. Butler, Bundeswehroffizier, Brady’s National Photographic Portrait Galleries, Fotograf, 1861–1865, Kongressbibliothek, Illustration von versklavten Menschen auf dem Weg nach Fort Monroe, von Harper’s Weekly, Band 5, Nr. 242 (1861 August 17), 524, Kongressbibliothek.
https://www.loc.gov/pictures/item/2018666400/
https://www.loc.gov/pictures/item/92515012/

Das Mary Baker Eddy Papers-Projekt stützt sich auf eine umfangreiche Sammlung von Briefen und Dokumenten. Durch sie erfahren wir, auf welche Weise Mary Baker Eddy und ihre Anhänger:innen sich mit der Welt, die sie umgab, auseinandersetzten. Ein Brief von Mrs. Eddy aus dem Jahr 1861 an Generalmajor Benjamin F. Butler zeigt neue Gesichtspunkte hinsichtlich ihrer Haltung zur Sklaverei während des Bürgerkriegs auf.

Am 17. August 1861 schrieb Mary Baker Eddy an Butler, den Juristen aus Massachusetts, der in der Unionsarmee als General diente: „Erlauben Sie mir persönlich und auch als Repräsentantin Tausender meines Geschlechts aus Ihrem Geburtsstaat – einem seiner edelsten Söhne die ihm gebührende Huldigung und Dankbarkeit darzubringen, der so tapfer die Rechte der Menschlichkeit verteidigt.“1 Der Grund für Mrs. Eddys Brief war, Butler für die Haltung zu danken, die er bei der Verteidigung der Freiheit entlaufener Sklaven eingenommen hatte, die auf Unionsgebiet Schutz gefunden hatten. Ein intensiveres Nachforschen in ihrer Korrespondenz mit Butler sowie seine Rolle bei der Verteidigung der Rechte schwarzer Männer und Frauen stellt Mrs. Eddy mitten in einen ausgedehnten landesweiten Dialog über Sklaverei, Eigentum und den Bürgerkrieg.

Am 23. Mai 1861 ruderten Frank Baker, Shepard Mallory und James Townsend über den James River in Virginia und landeten am Fort Monroe, das sich in der Hand der Union befand, um dort um Asyl zu bitten. Die drei versklavten Männer waren Feldarbeiter, die von örtlichen Konföderierten gezwungen worden waren, eine Artilleriestellung in den Dünen gegenüber vom Hafen zu bauen. Nachdem sie erfahren hatten, dass ihr Herr, Colonel Charles Mallory, plante, sie weiter weg von ihrer Heimat zu schicken, um Befestigungen in North Carolina zu bauen, trafen die jungen Männer Vorkehrungen, um zu den Unionstruppen auf der anderen Seite des Flusses zu fliehen.2

Butler war nur einen Tag vor den geflüchteten Sklaven als Kommandant des Forts eingetroffen, und als demokratischer Jurist aus Massachusetts weit davon entfernt, der Wegbereiter der Abolitionisten zu sein, den sich die Männer erhofft hatten. Dennoch schrieb er an Generalleutnant Winfield Scott und verteidigte die Tatsache, dass er die drei Männer ihren konföderierten Herren nicht zurückgab. Butler machte geltend, dass er sie in Besitz genommen hatte, „wie ich es mit jedem anderen Eigentum einer Privatperson getan hätte, sofern die Anforderungen des Dienstes eine Inbesitznahme notwendig machten, und das gilt insbesondere für Eigentum, das für eine Verwendung gegen die Vereinigten Staaten bestimmt und geeignet ist oder gebraucht wird“.3 Butler argumentierte, dass die Verwendung der Männer durch die Konföderierten gegen die Unionsarmee ihm das Recht gab, sie als Kriegskonterbande zu beanspruchen. Er beharrte auf der Argumentation, dass der Fugitive-Slave Act [Gesetz bezüglich geflohener Sklaven] in diesem Fall nicht geltend gemacht werden konnte, da der „Fugitive-Slave Act nicht für ein fremdes Land galt, was zu sein Virginia für sich in Anspruch nahm“.4

Simon Cameron, der Kriegsminister, beantwortete Butlers Anfrage, indem er seiner Handlungsweise zustimmte und ihn anwies, den weiteren Bau feindlicher Befestigungsanlagen zu verhindern durch das Unterlassen „der Auslieferung einer jeden Person, die Ihre Linien überschreiten sollte, an deren vorgebliche Herren“.5 Dadurch wurde Butlers Klassifizierung entlaufener Sklaven als Eigentum des Feindes – und deshalb als Kriegskonterbande – zum Präzedenzfall für die Behandlung entlaufener Sklaven.

Der Austausch dauerte bis in den Herbst 1861, als Butler ein weiteres Mal an Cameron schrieb, um sich wegen der Frauen und Kinder zu erkundigen, die Zuflucht in Fort Monroe gesucht hatten, nachdem die Truppen Hampton, Virginia, evakuiert hatten. Darunter befand sich „eine große Anzahl Neger, bestehend überwiegend aus Frauen und Kindern der Männer, die sich in den Schutz meiner Linien geflüchtet hatten und die marodierenden Rebellentrupps entkommen waren, welche arbeitsfähige Schwarze zusammengetrieben hatten, um ihnen bei der Errichtung ihrer Geschützstellungen am James und am York River zu helfen“.6 Da er die ehemaligen Sklaven nun seinerseits beim Bau von Verschanzungen einsetzte, pries Butler, dass sie sich „eifrig und effizient dieser Aufgabe widmeten und so unseren Soldaten diese Arbeit unter der intensiven Mittagssonne ersparten“.

Zur selben Zeit „verdienten die Frauen im Wesentlichen ihren eigenen Unterhalt indem sie die Kleidung der Soldaten wuschen, tauschten und in Ordnung hielten“. Aber nun, da die Anzahl der entlaufenen Sklaven 900 überstieg – über 600 davon waren Frauen, Kinder und Männer, die zu alt für die Arbeit waren – sah sich Butler aufs Neue mit den juristischen Auswirkungen davon konfrontiert, dass er ihnen in Fort Monroe Zuflucht gewährte. Obwohl er entschieden hatte, dass versklavte Arbeiter, eingesetzt für den Bau konföderierter Befestigungen, als Kriegskonterbande angesehen werden konnten, hinterfragte er, ob dies als Rechtfertigung gelten konnte, die versklavten Frauen und Kinder nicht zurückzugeben. Am 30. Juli 1861 fragte er seine Vorgesetzten:

Sind sie Eigentum? Sofern sie das wären, so sind sie von ihren Herren und Besitzern verlassen worden, aufgegeben, weggeworfen, abgelegt, wie das abgewrackte Schiff auf dem Meer. Ihre vormaligen Besitzer und Eigner haben sie grundlos, verräterisch, abtrünnig und praktisch, um in dem Bild zu bleiben, dem Verhungern im Wintersturm preisgegeben. Wenn schon Eigentum, sollten sie dann nicht Eigentum derer werden, die sie geborgen haben?

Butler argumentierte, dass, wenn versklavte schwarze Männer und Frauen aufgrund der Verfassung der Vereinigten Staaten und entsprechend des Beharrens der Konföderation Eigentum ihrer Besitzer waren, diese, sobald die Konföderationsarmee sie im Stich ließ, der Unionsarmee, die sie gerettet hatte, zu eigen würden. Und doch lehnten Butler und seine Soldaten es ab, Menschen als Eigentum anzuerkennen. Wenn also die neuen Besitzer der Sklaven ihre Eigentumsrechte aufgaben, so sollten die ehemaligen Sklaven frei sein. Butler führte weiter aus:

Aber wir, die wir sie geborgen haben, bedürfen eines solchen Besitzes nicht, werden ihn nicht behalten und werden derartiges Eigentum nicht annehmen. Sind deshalb nicht alle Eigentumsverhältnisse erloschen? Sind daraufhin nicht Männer, Frauen und Kinder aus ihnen geworden? Würden diese, nun nicht länger unter irgendwelchen Besitzansprüchen stehenden, verängstigten Relikte flüchtiger Herren, aufgrund deren Handelns und durch den Kriegszustand nicht in eine Lage versetzt, die wir für all jene, die nach dem Bild Gottes geschaffen wurden, als normal ansehen würden? Ist dadurch nicht jeder verfassungsmäßigen, rechtlichen und moralischen Voraussetzung sowohl für den weggelaufenen Herrn als auch für seine preisgegebenen Sklaven entsprochen?7

Als die New York Times Butlers Brief am 6. August 1861 veröffentlichte, erfuhren seine Worte und Taten ein breites Spektrum an Reaktionen. Das Boston Evening Transcript lobte seine geschickte Manipulation der Besitzansprüche des Südens „fast als Geniestreich“, während der Atlantic Monthly vermutete, diese war „sowohl von praktischer Vernunft als auch von Humanität inspiriert“.8 Doch radikale Republikaner sahen den unmittelbaren Sieg der geflohenen Sklaven durch ihre fortwährende Bezeichnung als Eigentum getrübt.

Mary Baker Eddy beteiligte sich am 17. August 1861 an der Debatte, indem sie direkt an Butler eine Antwort auf seinen Brief vom 30. Juli verfasste, den sie wahrscheinlich in der Times gelesen hatte oder in einer anderen Zeitung, die dieses Thema ebenfalls aufgegriffen hatte. Sie lobte seine Haltung, schwarzen Männern, Frauen und Kindern Zuflucht in Fort Monroe zu gewähren. Sie dankte ihm für die Verteidigung „des Anspruchs der Menschlichkeit in Ihrem letzten Brief an Min. Cameron“ – und die Kühnheit „die Ehre unseres Landes, den wahren Rang von Justiz und Gerechtigkeit“ zu verteidigen.9 Sie stimmte Butlers Ansichten zu, indem sie schrieb: „Sie betrachten Freiheit, wie wir alle, als den normalen Zustand jener, die als Gottes Bild geschaffen wurden.“ Und sie schloss, indem sie Butler ermutigte, in seinem Kampf durchzuhalten: „Der blutige Konflikt zwischen richtig und falsch kann nur erbittert sein, er kann nicht lange andauern, und der Sieg auf Seiten des unumstößlichen Rechts wird alles aufwiegen. Gebt uns einen tapferen Ben Butler im Feld oder vor Gericht, und unser Land ist gerettet.“

Mrs. Eddys Antwort auf Butlers Brief vom 6. August zeigt deutlich ihre Unterstützung dafür, innerhalb der Vereinigten Staaten allen die Menschenrechte zu gewähren, „der Schwarze genauso wie der Weiße, Männern, Frauen, & Kindern“. In einer Zeit, da viele Anhänger:innen der Union nicht unbedingt gegen Sklaverei eintraten, tat Mrs. Eddy genau das. Während ein paar Abolitionisten Butlers Maßnahmen für gefährlich hielten, weil er schwarze Männer und Frauen im Gegenzug für ihre Freiheit als Eigentum bezeichnete, und sich deshalb gegen seine Vorgehensweise aussprachen, unterstützte Mrs. Eddy seine Handlungsweise und seine Bestätigung ihres Menschseins.

Butlers Brief vom 30. Juli könnte letztendlich zum First Confiscation Act [Erstes Enteignungsgesetz] geführt haben, der am 6. August 1861 bestätigt wurde. Zwei Tage später schrieb Cameron an Butler und skizzierte die zentralen Grundsätze des Gesetzes und billigte Butlers jüngsten Aufruf. Kompliziert wurde die Angelegenheit im Fall derjenigen, die von Herren geflüchtet waren, welche der US-Regierung gegenüber loyal waren; Butler hatte die Anweisung bekommen detaillierte Listen mit Namen und Beschreibungen der ehemaligen Sklaven und ihrer Herren zu führen. „Mit Wiederkehr des Friedens“, schrieb Cameron, „wird der Kongress zweifellos all die Personen im Dienst der Union angemessen versorgen und auch eine gerechte Entschädigung für die loyalen Herren bereitstellen.“10 Paradoxerweise verwendeten Butlers Argumentation und die darauf basierende Gesetzgebung den Status der Sklaven als legales Eigentum, um für ihre Freiheit zu plädieren.

Viele sahen das neue Gesetz als Sieg über die Sklaverei an und als Schritt hin zur Stärkung der Union. Andere betrachteten die Titulierung von Versklavten als bewegliches Gut als Rückschritt. Frederick Douglass verurteilte das Gesetz als nicht weit genug gehend und glaubte, seine letztendliche Bedeutung hänge von Lincolns Durchsetzung des Gesetzes ab.11 Andere begeisterte Abolitionisten betrachteten die Struktur, die Butlers Strategie zugrunde lag, als Angriff auf das moralische Argument gegen Sklaverei, das sich auf die Gleichheit von schwarzen und weißen Individuen vor Gott gründet.

Mary Baker Eddys Brief an Butler erhellt ihre gegen die Sklaverei gerichteten Überzeugungen und ihre Bereitschaft dafür einzutreten. Auch wenn nicht klar ist, ob Mrs. Eddy mit der juristischen Grundlage von Butlers Argumentation übereinstimmte, so unterstützte sie doch eindeutig seine Schlussfolgerung, „wir alle betrachten Freiheit als den normalen Zustand jener, die als Gottes Bild geschaffen wurden“.12


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  1. Mary Baker Eddy an Benjamin F. Butler, 17. August 1861, L02683, https://mbepapers.org/?load=L02683.
  2. Adam Goodheard, „How Slavery Really Ended in America“ [Wie die Sklaverei in Amerika tatsächlich endete], The New York Times Magazine, 1. April 2011.
  3. Benjamin F. Butler, Generalmajor, an Generalleutnant Winfield Scott, 24. Mai 1861, in The War of the Rebellion: A Compilation Of The Official Records Of The Union And Confederate Armies [Der Krieg des Aufstands: eine Zusammenstellung der amtlichen Aufzeichnungen der Unions- und der Konföderationsarmeen] (1894), Folge II, Band I. Prisoners of War, Etc.: Military Treatment of Captured And Fugitive Slaves [Kriegsgefangene, etc.: militärische Behandlung gefangener und geflohener Sklaven].
  4. Ebd.
  5. Kriegsminister Simon Cameron an Generalmajor Butler, 30. Mai 1861, in The War Of The Rebellion: A Compilation Of The Official Records Of The Union And Confederate Armies, (1894), Folge II, Band I. Prisoners of War, Etc.: Military Treatment Of Captured And Fugitive Slaves.
  6. „The Slave Question“ [Die Sklaven-Frage]. Brief von Generalmajor Butler bezüglich der Behandlung geflohener Sklaven. Hauptquartier der Festung Monroe, Virginia, 30. Juli 1861, in der New York Times, 6. August 1861.
  7. Ebd.
  8. Boston Evening Transcript, 7. September 1861; „The Contraband at Fortress Monroe” [Die Konterbande in Fort Monroe], Atlantic Monthly, November 1861, 630.
  9. Mary Baker Eddy an Benjamin F. Butler, 17. August 1861, L02683, https://mbepapers.org/?load=L02683.
  10. Kriegsminister Simon Cameron an Maj. Gen. B. F. Butler, 8. August 1861, in The War of the Rebellion: A Compilation Of The Official Records Of The Union And Confederate Armies (1894), Folge II, Band I. Prisoners of War, Etc.: Military Treatment of Captured And Fugitive Slaves.
  11. Ed. Frederick Douglass, „The Confiscation and Emancipation Law” [Das Enteignungs- und Befreiungsgesetz], Douglas Monthly, Rochester, New York, August 1862.
  12. Mary Baker Eddy an Benjamin F. Butler, 17. August 1861, L02683, https://mbepapers.org/?load=L02683.