Hat Churchill eine Gruppe britischer Christlicher Wissenschaftler:innen aufgefordert zu beten?

2. August 2021

Angehörige der English Royal Navy laden eine entschärfte deutsche Magnetmine in einen Lastwagen, ca. 1939. E. D. Webb. Mit freundlicher Genehmigung der Royal Navy Minewarfare & Clearance Diving Officers’ Association.
Wir haben Anfragen erhalten, ob es stimme, dass Premierminister Winston Churchill im Zweiten Weltkrieg eine Gruppe Christlicher Wissenschaftler:innen aufgefordert habe, zu beten.

Während uns keine Hinweise vorliegen, dass Churchill eine derartige Bitte tatsächlich geäußert hätte, könnte der Bericht eines englischen Christlichen Wissenschaftlers, Peter J. Henniker-Heaton, den Eindruck vermittelt haben, dass ein solcher Aufruf ergangen sei.

Im November 1939 bat ein nicht näher benannter „Stabsoffizier“ der Royal Navy drei oder vier Christliche Wissenschaftler:innen, darunter Henniker-Heaton und seine Frau Rose, angesichts einer konkreten Bedrohung zu beten.1 Damals warf die deutsche Luftwaffe Magnetminen über der Themsemündung ab. Obwohl man die Häfen nach Minen absuchte, wurden im September und Oktober nahezu ein Dutzend Handelsschiffe versenkt.2

In seiner Ansprache „Our Times and Their Future“ [Unsere Zeit und ihre Zukunft], die Henniker-Heaton 1971 auf der alle zwei Jahre stattfindenden Versammlung für Hochschulvereinigungen in der Mutterkirche hielt, sagte er:

Ich denke an einen Novembertag [1939] zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zurück. Die erste Geheimwaffe der Nazis war eine Magnetmine. Mit dieser Mine wurde Monat für Monat eine Blockade der östlichen und südöstlichen Häfen Großbritanniens errichtet. In einer einzigen Nacht wurden sechs Schiffe in der Themse versenkt.

 

Am nächsten Morgen rief der zuständige Stabsoffizier der Admiralität, der diese gefährliche Situation handhaben sollte, drei oder vier Christliche Wissenschaftler:innen an und drängte sie, „sich ans Werk zu machen“. Die Christlichen Wissenschaftler:innen beteten jeder für sich und viele andere beteten zweifellos ebenfalls. In unserem Haus hielten wir an Mrs. Eddys Charakterisierung des Magnetismus fest: „Es gibt nur eine wirkliche Anziehungskraft, die des Geistes. Die Ausrichtung der Nadel auf den Pol symbolisiert diese all-umfassende Macht oder die Anziehungskraft Gottes, des göttlichen Gemüts.“ Dies ließ keinen Raum für eine zerstörerische Anziehungskraft.

 

Sir Winston Churchill erzählt die Geschichte in seinem Buch The Gathering Storm [Der Sturm zieht auf] dann zu Ende. Am 22. November, dem Tag, von dem ich rede, „zwischen 9 und 10 Uhr abends“ – um Churchills eigene Worte zu verwenden – „verschaffte uns Fortuna eine glänzende Gelegenheit“.

 

Eine Magnetmine landete auf einer Sandbank, wo sie sanft genug landete, um sichtbar und intakt zu bleiben. Sie wurde untersucht und sehr schnell fand sich eine Methode, diese Art von Minen unschädlich zu machen. Danach war die Magnetmine nicht mehr als ein geringfügiges Ärgernis.3

Im November 1939 war Churchill Erster Lord der Admiralität der Royal Navy und somit höhergestellt als der von Henniker-Heaton erwähnte namenlose „Stabsoffizier“. Es ist uns nicht gelungen, die Identität dieses Offiziers in Erfahrung zu bringen.


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  1. Peter J. Henniker-Heaton, „Our Times and Their Future“ [Unsere Zeit und ihre Zukunft], 17. Juli 1971, Kirchenarchiv, Kasten 201344471, Ordner 201344528, 6–7.
  2. Winston S. Churchill, The Second World War: The Gathering Storm [Der Zweite Weltkrieg: Der Sturm zieht auf] (Cambridge, MA: Houghton Mifflin Company, 1948), 505.
  3. Peter J. Henniker-Heaton, „Our Times and Their Future“, 17. Juli 1971, Kirchenarchiv, Kasten 201344471, Ordner 201344528, 6–7.