Hat Mary Baker Eddy sich für die Umwelt interessiert?

25. Januar 2022

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The Oxbow, Blick vom Mount Holyoke, Northampton, Massachusetts, nach einem Gewitter, 1836, Gemälde von Thomas Cole. Mit freundlicher Genehmigung des Metropolitan Museum of Art.

Zu Mary Baker Eddys Lebzeiten stand der Begriff „Umweltschützer“ ausschließlich für eine Person, die an den stärkeren Einfluss der Umwelt im Vergleich zu dem der Vererbung glaubte – also die Überlegenheit der Erziehung über die Natur. Die erste Verwendung des Wortes „Umweltschützer“ für einen Menschen, der sich um die Natur kümmert, erfolgte erst 1916. Im neunzehnten Jahrhundert wäre das Wort „Naturforscher“ näher an unserem Verständnis des heutigen Umweltschützers gewesen, obwohl es oft eine säkulare Bedeutung hatte – von Naturforschern hieß es oft, sie suchten in der natürlichen statt in der geistigen Welt nach Erklärungen.

Auch wenn Mrs. Eddy nicht dem damaligen Bild einer Umweltschützerin entsprach, achtete sie dennoch sehr auf die Umwelt. Sie liebte Tiere und die Natur und glaubte, dass die Schönheit der natürlichen Welt eine Widerspiegelung der Schönheit und Majestät Gottes sei.

Mary Baker Eddy verbrachte die ersten fünfzehn Jahre ihres Lebens auf einer Farm in Bow, New Hampshire. Ihr Vater, Mark Baker, bewirtschaftete fast fünfhundert Hektar Land, das in Familienbesitz war. Später im Leben beschrieb sie diesen Ort nostalgisch als „Felder reifenden Getreides, die sich weit erstreckten und anmutig im Sonnenlicht wogten, und Obstgärten mit Apfel-, Pfirsich-, Birnen- und Kirschbäumen … grüne Fluren im Schmuck wilder Beeren, murmelnder Bächlein und lieblicher Feldblumen, und … große Schaf- und Rinderherden.“1

Den Tieren auf der Farm war sie besonders zugetan. Für weitere Informationen über Mary Baker Eddys Liebe zu Tieren, siehe diesen Beitrag: https://www.marybakereddylibrary.org/de/research/mary-baker-eddy-und-die-tiere/.

Mrs. Eddys Haus Pleasant View in Concord, New Hampshire, war ein aktiver landwirtschaftlicher Betrieb. Neben Schweinen und Kühen gab es einen großen Gemüsegarten und eine Apfelplantage. Arbeiter:innen, sowohl aus dem Haushalt als auch Tagelöhner aus der Gegend, ernteten und lagerten das Gemüse, das dann in der Küche Verwendung fand. Die Nachbar:innen wurden zur Nachlese der restlichen Äpfel eingeladen, nachdem die Bediensteten genug für ihre Bedürfnisse gepflückt hatten. Dank der sorgfältigen Aufzeichnungen von Calvin Frye wissen wir, dass Erbsen, Rüben, Kartoffeln, Zwiebeln, Spargel, Erdbeeren, Äpfel, Pfirsiche, Hafer, Roggen und Heu zu verschiedenen Zeiten angebaut wurden. Auf einem Feld, das als „Jones-Feld“ bekannt war, wurde 1901 Roggen gesät und dann mit Hilfe der Zugpferde Nelly und Jerry geerntet. Das Feld wurde im folgenden Jahr untergepflügt und als Weideland genutzt, aber der Roggen aus dieser einen Ernte reichte aus, bis Mrs. Eddy und ihr Haushalt 1908 Pleasant View verließen.2 Solche Selbstversorgungsaktivitäten waren für damalige Haushalte typisch; Mrs. Eddy betrachtete ihr Zuhause nicht unbedingt als Bauernhof, sondern als einen Ort der Privatsphäre und Zuflucht, umgeben und unterstützt von seinem Land.

Pleasant View war nicht nur für seine Nutzpflanzen bekannt, sondern auch für seine Blumen. Es gab ein Gewächshaus auf dem Grundstück, das von einem Floristen in Concord gepflegt wurde, und jedes Frühjahr legten John Salchow und August Mann auf dem Grundstück üppige Beete mit verschiedenen Blumen an, besonders zwischen dem Haus und der Scheune. Salchow erwähnte, dass Mrs. Eddy Rosen besonders liebte und dass er viel Mühe darauf verwendete, einen „wunderbaren Rosengarten“ anzulegen. Er war auch stolz auf die Tulpenbeete und sagte, dass „halb Concord nach Pleasant View kam, um sie zu sehen – manchmal waren es sogar drei- oder vierhundert Menschen, die dort an einem Tag die Tulpen bewunderten“.3 Es gab auch Zierbäume auf dem Gelände; Mrs. Eddy bewunderte besonders eine Trauerweide am Brunnen, „die ihre Zweige wie einen grünen Fächer ausbreitete“.4

Mary Baker Eddys Liebe zur Natur zeigt sich auch in ihren Schriften. Sie benutzte oft naturbezogene Metaphern, um ihre Ideen zu erklären. In Wissenschaft und Gesundheit schrieb sie:

Instinkt ist besser als irregeleitete Vernunft, wie sogar die Natur verkündet. Das Veilchen hebt sein blaues Auge, um den nahenden Frühling zu begrüßen. Die Blätter, diese nimmermüden Anbeter der Natur, klatschen in die Hände. Die Schneeammer singt und schwingt sich auf mitten im Sturm; sie bekommt keinen Schnupfen durch nasse Füße und verschafft sich einen Sommersitz mit größerer Leichtigkeit als ein Krösus. Die Atmosphäre der Erde, freundlicher als die Atmosphäre des sterblichen Gemüts, überlässt letzterer den Schnupfen. Erkältungen, Husten und Ansteckung werden allein durch menschliche Theorien hervorgerufen.5

Im weiteren Verlauf von Wissenschaft und Gesundheit führte sie die gleiche Metapher weiter aus:

Die Natur verkündet das natürliche, geistige Gesetz und die göttliche Liebe, aber die menschliche Auffassung missdeutet die Natur. Die arktischen Regionen, die sonnigen Tropen, die gewaltigen Berge, die beschwingten Winde, die mächtigen Wellen, die grünenden Täler, die festlichen Blumen und die herrlichen Himmel – sie alle weisen auf Gemüt hin, auf die geistige Intelligenz, die sie widerspiegeln. Die Blumenapostel sind Hieroglyphen der Gottheit. Sonnen und Planeten lehren erhabene Lektionen. Die Sterne verschönern die Nacht, und das Blättchen wendet sich ganz natürlich zum Licht.6

Heute verspüren viele Menschen auf der Welt die Liebe zur Umwelt, die Mary Baker Eddy ihr ganzes Leben lang so überzeugend gezeigt hat. Angesichts der Bewirtschaftung der Felder auf Pleasant View könnte man sogar sagen, dass sie sich „lokal ernährt“ hat. Sie interessierte sich jedoch nicht für Schlagwörter und Trends – sie zeigte einfach dieselbe praktische Yankee-Liebe zur Welt um sich herum, die ihr ganzes Leben geprägt hat.


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  1. Mary Baker Eddy, Rückblick und Einblick (Boston: The First Church of Christ, Scientist, 1901), 4.
  2. Rem. John Salchow, 17.
  3. Ebd., 18.
  4. Ebd., 19.
  5. Mary Baker Eddy, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Schrift (Boston: The Writings of Mary Baker Eddy, 1906), 220.
  6. Ebd., 240.