Mary Baker Eddys Vortrag in Attleborough

18. Mai 2020

George D. Choate, undatiert. P00461, Mit freundlicher Genehmigung der Mary Baker Eddy Bibliothek.

Das vierzig Meilen südwestlich von Boston gelegene Attleborough (Massachusetts) spielte eine ganz eigene, wenn auch wenig bekannte Rolle in der expandierenden Bewegung der Christlichen Wissenschaft. In den frühen 1880er Jahren zählte die Stadt bereits knapp 12.000 Einwohner und befand sich im Übergang: war ihre bisherige Lebensgrundlage die Textilherstellung gewesen, sollte sie nun zu einem Zentrum der Schmuckherstellung werden. Attleborough, das 1914 als Stadt eingetragen wurde, und zwar mit der offiziellen neuen Schreibweise Attleboro, wurde im Jahr 1950 als „Schmuckhauptstadt der Welt“ bezeichnet.1

Die frühen 1880er Jahre waren auch eine Zeit des Übergangs für Mary Baker Eddy und die junge Kirche Christi (Wissenschaftler), die sie 1879 gegründet hatte. Mit regelmäßigen Gottesdiensten in Boston, wo Eddy gerade ihr Lehrinstitut für Metaphysik in Massachusetts errichtet hatte, gewann die Kirche immer mehr Anhänger. Innerhalb weniger Jahre berichtete Eddy, dass die Hauptstadt des Bundesstaates „durch die Gärung dieses glorreichen ‚Sauerteigs‘ am Brodeln“ war.2 Eddy war bestrebt, ihre Entdeckung so weit wie möglich zu verbreiten – nicht nur in der größten Stadt Neuenglands, sondern überall dort, wo die Menschen empfänglich dafür waren. Daher machte sie sich im Dezember 1881 auf den Weg nach Attleborough, um vor einem neuen Publikum in einem neuen Umfeld einen Vortrag über die Christliche Wissenschaft zu halten.

Article about Eddy's lecture in Attleborough

The Attleborough Chronicle Rezension aus Eddys Sammelalbum. SB001A, Mit freundlicher Genehmigung der Mary Baker Eddy Bibliothek. Klicken Sie hier, um eine größere Version zu sehen.

George D. Choate trug maßgeblich dazu bei, dass die Veranstaltung stattfinden konnte. Als Schüler von Eddy mit einer eigenen Heilpraxis der Christlichen Wissenschaft in Attleborough war er damals ein aktives Mitglied der Bewegung der Christlichen Wissenschaft.3 Während Choate in Attleborough praktizierte, hatte er Eliot Hunts Frau und seine Tochter geheilt. Der enthusiastische Hunt war Inhaber der Zeitung Attleborough Chronicle – und erwies sich als wertvolle Kontaktperson.

Hunt erklärte sich bereit, an Eddys für den 2. Dezember geplantem Vortrag teilzunehmen und dazu eine Rezension zu veröffentlichen. Aber drei Tage vor dem Termin erhielt Eddy von Choate eine schlechte Nachricht:

Lesen Sie diesen Brief und helfen Sie mir, geben Sie mir einen Rat, zeigen Sie mir den Ausweg, sonst stecke ich augenblicklich in Schwierigkeiten; Sie wissen und Gott weiß, dass es falsch ist. Ich dachte, ich hätte alles für Freitagabend vorbereitet, aber nun erfahre ich, dass in der Kirche eine Kantate aufgeführt werden soll.4

Zwar kennen wir Eddys Antwort nicht, jedoch hat ihr Vortrag tatsächlich stattgefunden – die Rezension dazu erschien im Chronicle vom 17. Dezember. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass sie am Freitag, dem 16. Dezember, gesprochen hat. Leider sind die einzigen vorhandenen Aufzeichnungen des Vortrags Choates Brief und Hunts veröffentlichte Worte – Ort und Titel bleiben ein Rätsel. Bis 1881 hielt Eddy viele Ansprachen in Boston zu verschiedensten Themen, darunter „Wie das Christentum sein Element des Heilens verlor“, „Christliches Heilen und Mesmerismus im Vergleich“ und „Wie man gesund und glücklich sein kann“. Möglicherweise handelte es sich bei dem Vortrag in Attleborough um eine von diesen Ansprachen oder vielleicht um eine Mischform.

Einerseits warf Hunt Eddy in der Rezension vor, sie habe versucht, ein zu umfangreiches Thema zu behandeln – „mit dem Nachteil, dass sie in einem Vortrag den Inhalt von dem zusammendrängen musste, was eigentlich auf drei Vorträge verteilt gehört“5 –, andererseits war er der Meinung, dass Wissenschaft und Gesundheit eine klarere Erläuterung ihrer Ideen liefere. Seine freimütige Rezension beinhaltete auch die Beobachtung, dass ein Großteil des Publikums auf Eddys Ideen mit Verwirrung reagierte:

… das behandelte Thema ‚Die Christliche Wissenschaft oder metaphysisches Heilen‘ und die Art und Weise, wie es behandelt wurde, waren so neu und verblüffend und den Ideen und Lebenswelten der Zuhörer so weit voraus, dass es nicht verwunderlich ist, dass Mrs. Eddy nicht verstanden wurde und dass viele den Vortragssaal mit fragenden Blicken und mit zweifelndem Kopfschütteln verließen.6

Aber Eddy erfuhr auch beträchtliche Unterstützung, als Hunt im weiteren Verlauf der Rezension erklärte, er habe die Wirksamkeit christlich-wissenschaftlicher Behandlung selbst erlebt. Er sprach mit glühender Begeisterung von Wissenschaft und Gesundheit. „Die Lehren dieses Buchs gründen sich auf die Wahrheit der Bibel“, versicherte er, „und seine Glaubenslehren sind hoch und rein. Es ist ein absolut wunderbares Buch, und alle könnten davon profitieren, es zu lesen.“7 Seine Schlussfolgerung war, man solle „mit großem Interesse die Zukunft dieser neuen Theorie beobachten“ und „‚alles prüfen und das Gute behalten‘“.8 Insgesamt betrachtet tat Eddy vielleicht recht daran, wenn sie aus diesen Bemühungen außerhalb Bostons ein wenig Ermutigung schöpfte.

Wenn Sie Vorträge und Predigten aus den 1880er Jahren (auf Englisch) lesen möchten, einschließlich Berichten darüber, wie die Menschen Eddys „neue Theorie“ für sich entdeckten und akzeptierten, besuchen Sie mbepapers.org.

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  1. John Daggett, A Sketch of the History of Attleborough [Ein Abriss der Geschichte von Attleborough] (Boston: Samuel Usher, 1894), 366–394.
  2. Mary Baker Eddy an Eldridge J. Smith, 10. April 1884, L02058.
  3. Im Januar 1884 trat George D. Choate aus der Kirche Christi (Wissenschaftler) aus und arbeitete als Geistheiler in Providence, Rhode Island. Danach kehrte er nach Boston zurück und unterstützte seine Frau Clara Elizabeth Choate bei der Leitung des Choate Metaphysical College [Choate Lehranstalt für Metaphysik].
  4. George D. Choate an Eddy, 29. November 1881, IC 025b.10.008.
  5. Ebd.
  6. „Christian Science“ [„Die Christliche Wissenschaft“], Attleborough Chronicle, 17. Dezember 1881.
  7. Ebd.
  8. Ebd.