Frauen der Geschichte: Lulu Knight

10. Februar 2021

Lulu Knights Unterschrift steht zusammen mit denen einiger anderer Mitglieder der Lehrerbildungsklasse des Unterrichtsrats im Jahr 1943 auf dem Deckblatt des Exemplars ihres Lehrers John M. Tutt von Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy. Unterschriften weiterer Schüler finden sich auf den Folgeseiten (nicht abgebildet).

Lulu M. Knight (ca. 1885–1968) war die erste Afroamerikanerin, die als Lehrerin der Christlichen Wissenschaft tätig war.

Sie war als Lula M. Johnson geboren worden, als Kind von Jackson und Laura Johnson, und wuchs in Nebraska auf. Mit Mitte 20 war sie verheiratet, hatte drei Jahre das College besucht und lebte in Chicago.

Außerdem hatte sie zur Christlichen Wissenschaft gefunden. Als sie 1912 der Mutterkirche beitrat, gab sie auf ihrem Mitgliedsantrag ihre frühere religiöse Zugehörigkeit mit Methodistin an; ihre Lehrerin der Christlichen Wissenschaft, Ella Peck Sweet, CSD, aus Denver, Colorado, hatte den Aufnahmeantrag gegengezeichnet. Sweet war eine Schülerin Mary Baker Eddys und hatte für kurze Zeit in deren Haushalt in Pleasant View in Concord, New Hampshire, gedient.

Nachdem Johnson Witwe geworden war, hatte sie eine Versicherungsvertretung inne und besaß ein eigenes Haus, das sie eine Zeit lang mit ihrem älteren Bruder, William N. Johnson, einem Veteranen des Ersten Weltkriegs und Rechtsanwalt, teilte. In zweiter Ehe war sie ab 1931 mit Arthur B. Knight verheiratet, der später sein eigenes Versicherungs- und Immobilienunternehmen führte. Mrs. Knight war im Jahr zuvor ins Praktikerverzeichnis des Christian Science Journal aufgenommen worden. (Später modifizierte sie diese Anzeige und änderte ihren Vornamen von Lula auf Lulu.)

13 Jahre lang übte Knight ihre christliche Heilpraxis von ihrem Heim im Süden Chicagos aus. 1943 nahm sie an der Lehrerbildungsklasse des Unterrichtsrats der Christlichen Wissenschaft teil, erteilt von John M. Tutt; sie erhielt den Titel CSB, der es ihr erlaubte, jährlich eine Klasse in der Christlichen Wissenschaft zu unterrichten. Nun eröffnete sie ein Büro im Kimball-Gebäude mitten in Chicagos Innenstadt („The Loop“). Knight war Mitglied Achter Kirche Christi, Wissenschaftler, Chicago.

Im Jahr 1950 portraitierte Ebony [eine bis heute erscheinende Zeitschrift, die sich Themen der afroamerikanischen Kultur widmet] in der Jubiläumsausgabe zu ihrem fünfjährigen Bestehen die Verbindung von Afroamerikanern mit der Christlichen Wissenschaft. Dort hieß es, dass „die Glaubensrichtung eine schwarze [Negro] Lehrerin hat, Mrs. Lula B. [sic] Knight, Frau eines Chicagoer Immobilienmaklers, die seit dem Jahr 1943 eine anerkannte Lehrerin der Glaubenslehren der Christlichen Wissenschaft war.“1

Knight war Zeugin von Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft – und in der Kirche Christi, Wissenschaftler. Ihr Mitgliedereintrag der Mutterkirche aus dem Jahr 1912 war mit der Anmerkung „(Negro)“ [Neger] versehen. Ihr Eintrag im Journal-Verzeichnis trug den Zusatz „(farbig)“ bis 1956, dem Jahr, in dem diese Kennzeichnung für afroamerikanische Praktiker*innen aufgegeben wurde. Ebony berichtete über eine vielschichtige Situation innerhalb der Bewegung der Christlichen Wissenschaft im Jahr 1950:

Die Haltung der Kirche zur Rassenfrage ist auf idealistische Weise gerecht, doch weder ihr Vorstand (das Leitungsorgan) noch ihr Handbuch definieren eine generelle Richtlinie im Hinblick auf eine Trennung zwischen Schwarzen und Weißen. Gleichstellung ist ein Ideal, das sie anstrebt, „so schnell wie nur menschenmöglich“.

Im Süden befolgt die Kirche bestehende Muster und Gesetze der Bundesstaaten, die eine Mischung der Rassen verhindern sollen, aber in Washington D.C. besuchen Schwarze [Negroes] und Weiße dieselben Kirchen. In Birmingham, Alabama, hatten sich schwarze [Negro] und weiße Mitglieder der Kirche gemeinsam getroffen, doch halten sie jetzt aufgrund verstärkter Hetze zur Rassentrennung durch städtische Beamte getrennte Versammlungen ab. Die beiden Gruppen würden sich gern gemeinsam versammeln, aber das „Gesetz“ zwingt sie, Jim Crow [Jim-Crow-Gesetze] zu befolgen. In Boston wird in der offiziellen Liste der weltweiten Mitglieder der Mutterkirche keine Rassenidentität verzeichnet.2

Knight war eine der Mitwirkenden auf dem Podium im Programm der Jahresversammlung der Mutterkirche 1961. Sie las den 7.000 Teilnehmer*innen Erlebnisse christlich-wissenschaftlichen Heilens vor, die aus der ganzen Welt eingereicht worden waren. Die Berichte, die sie den Zuhörern vortrug, enthielten Heilungen „von Kinnbackenkrampf und Nervenzusammenbruch; von Basedowscher Krankheit; von Zyanose oder einem mit Blausucht geborenen Säugling; von Asthma; offenen Beinen; von Unterleibs-, Rücken- und Beinleiden; einem Gewächs; Schwindsucht, sowie Heilung von Trunksucht.“3

Lulu M. Knight leistete einen signifikanten Beitrag zum christlich-wissenschaftlichen Heilen in Chicago und in anderen Teilen der Vereinigten Staaten, besonders unter den Afroamerikanern im Mittleren Westen, in Oklahoma und in Südkalifornien, wo viele ihrer Schüler lebten. In einem Brief aus dem Jahr 1967 an den Vorstand der Christlichen Wissenschaft schrieb sie: „Nachdem ich nahezu vierzig Jahre im Heilen und Lehren der Christlichen Wissenschaft tätig bin, nehme ich meine Verpflichtungen für die Sache der Christlichen Wissenschaft keinesfalls leicht. Ich verstehe ihre Forderungen und habe danach gestrebt, ihnen gemäß zu leben.“4

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  1. „Christian Science“ [Christliche Wissenschaft], Ebony, November 1950, 60.
  2. Ebd. Die Anmerkung in den Mitgliederverzeichnissen mag eine progressive Änderung widerspiegeln, nachdem Knight 1912 Mitglied geworden war.
  3. „Die Jahresversammlung Der Mutterkirche“, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, September 1961. https://de.herald.christianscience.com/shared/view/2ddc8obamnm?s=e.
  4. Knight an den Vorstand, 25. September 1967.